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5 von 53 gut & drauf:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel Amar Latif in Grossbritannien: Der blinde Reiseführer lehrt das Sehen...

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Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

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Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

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Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

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            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

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 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

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Drei Frauen und ein Hotel:

Die Locanda Lauro in Rezzonico am Comersee

 

Und was ist jetzt an der Locanda Lauro so besonders, verglichen mit anderen Hotels in Italien? Vielleicht das Alter: das Haus datiert zurück ins 14. Jahrhundert, die Gaststätte wurde bereits 1836 erwähnt, dürfte aber älter sein. Oder das Authentische: dazu zählt die einfache, mit allem Komfort ausgestattete und dennoch die Vergangenheit nicht verleugnende Inneneinrichtung. Sicher auch die Mahlzeiten: traditionelle italienische Küche ohne Chichi mit Produkten aus der Region, wo möglich in Bio-Qualität. Aber vor allem: Das Management.

 

Gastgeberinnen noch im AHV-Alter: Vera Bruni (links) und Rosa Bianca Bruni PeveraliGastgeberinnen noch im AHV-Alter: Vera Bruni (links) und Rosa Bianca Bruni PeveraliDrei Frauen führen das Hotel und Restaurant Lauro in Rezzonico am Comersee: Vera Bruni, 86 Jahre alt; Rosa Bianca Bruni Peverali, 81 Jahre alt; Giuliana Peverali, 51 Jahre alt. Tante, Mutter, Tochter. Sie verkörpern die dritte bzw. vierte Generation der Hoteliersfamilie. Alle drei verstehen sich in sehr umfassendem Sinn als Gastgeberinnen und empfangen die Tourist/innen, wie man Gäste bei sich zuhause empfängt: eingestimmt auf einige fröhliche, gemeinsame Stunden. Und dies liegt nicht nur daran, dass die Damen auch selber in der Locanda wohnen. Obwohl die Pensionsgrenze längst überschritten, stehen Rosa Bianca Bruni Peverali und Vera Bruni rüstig wie eh und je täglich am Herd, unterstützt von Giuliana Peverali, backen Torten und Kuchen für die Nachspeisen, denn die Bäckerei, die es früher in Rezzonico gab und in der Giuliana als Kind jeweils an Samstagen helfen durfte, existiert längst nicht mehr. Ebenso wenig wie die Metzgerei ihres Onkels gleich neben dem Hotel – tempi passati.

 Mittelalter in RezzonicoMittelalter in Rezzonico

Was noch steht, ist das mächtige Schloss aus dem 13. (manche schreiben 14.) Jahrhundert, heute in Privatbesitz. Es dominiert das sich auf einer Landzunge nestelnde Dorf, das gar kein richtiges Dorf mehr ist, sondern nur noch ein Ortsteil, seit 2003 die  Orte Acquaseria und Santa Maria Rezzonico zu San Siro vereinigt wurden: https://de.wikipedia.org/wiki/San_Siro_(Lombardei)  Rezzonico zählt etwas mehr als hundert Einwohner. Enge Katzenkopfpflaster-Gässchen führen zum See hinab und zum Hafen mit Platz für vielleicht sechs Motorbötchen; keine Anlegestelle für Passagierschiffe, nur ein kleiner Strand, im Rücken die steil abfallenden Berghänge. Eine Destination, um Bilder zu malen, ein Buch zu schreiben oder an nichts denkend ins Wasser zu starren. Verführerisch! Manche Gäste kommen jedes Jahr, sie kennen das Hotel Lauro länger als es Giuliana tut. Und sie ist immerhin hier geboren und aufgewachsen. Im Hotel Lauro werden Gäste zu Freundinnen und Freunden.

Wenn Fischer ihre Netze von einer Art Hochsitz am Ufer aus auswerfen, wird im Restaurant Lauro Frischfang See serviert. Giuliana Peverali setzt auf naturbelassene Produkte, die sie in der UmgGeschäftige Hände: Giuliana PeveraliGeschäftige Hände: Giuliana Peveraliebung kauft, Reis, Mehl und Olivenöl von Bauern, auch mal Gemüse von Nachbarn und den Ziegenkäse von der Alp oberhalb Rezzonico. Und wenn dort Jungziegen säugen, fehlt eben Ziegenkäse auf der Speisekarte. Das Lauro passt sich der Umwelt an, respektiert die Ernten der Saison, macht keine Konzessionen bezüglich Qualität und bringt vorzügliche Gerichte auf den Tisch; Giuliana lernte bei ihrem Onkel kochen, der unter anderem im Hotel Badrutt‘s Palace in St.Moritz angestellt gewesen ist.

Auch sie selber ist einmal ausgezogen, studierte in Pavia Biologie. Nach dem Tod des Onkels und Vaters, die Hotel, Restaurant und die Metzgerei geführt hatten, zeigte sie sich bereit, einen Sommer lang Tante und Mutter zu unterstützen. Das war 1992. Sie blieb. Und unterzog Hotel und Restaurant nach und nach sanften Veränderungen. Die einstmals 80 Plätze in der Gaststube wurden auf 40 reduziert, die acht Hotelzimmer mit Nasszellen ergänzt. Ein sorgfältiger Umgang mit Material ist auch hier zu spüren. Heisswasser liefern Sonnenkollektoren, alle Wände innen und aussen sind mit ökologischen Naturfarben gestrichen.

Die drei Lauro-Frauen in Rakutechnik, gestaltet von Giuliana PeveraliDie drei Lauro-Frauen in Rakutechnik, gestaltet von Giuliana PeveraliWenn sie nicht einkauft, kocht, serviert, Gäste empfängt oder mit Maurern und Handwerkern verhandelt, wendet sich Giuliana der Kunst zu. Sie hat das Hotel-Emblem kreiert, das drei stilisierte Frauen zeigt, und in der japanischen Keramikkunst Raku gestaltet. Ihre Hände liebten es eben, beschäftigt zu sein, erklärt sie lachend. Das sei schon ihrer Grossmutter so ergangen; bei den Renovationsarbeiten im Haus kamen 14 Farbschichten zum Vorschein, alle gelegt von der Grossmutter. Und ans Tageslicht kamen auch Balken aus dem 14. Jahrhundert und uralte Mauerreste, von denen niemand mehr gewusst hatte. Giuliana Peverali liess Stücke davon stehen, betont nur durch ein wenig Farbe. Unauffällig, unaufdringlich, auch das ist Stil des Hauses. Für Entdeckungen braucht man Musse – und die hat man in Rezzonico. Die Backsteine in der Gästestube deuten vermutlich auf einen grossen Kamin hin, in dem man sich  Braten am Spiess  für hungrige Wandersleute gut vorstellen kann. Die Antica Strada Regina führte am Westufer des Comersees vorbei, und obwohl es umstritten ist, ob es sich bei dieser Verbindung von Como über Chiavenna und dem Splügen- bzw. Julierpass gen Norden tatsächlich um eine uralte Handelsstrasse gehandelt hat: Reisende waren auf ihr seit dem 3. Jahrhundert unterwegs. Auch heute noch kann man auf der Strada wandern. Und im Hotel Lauro rasten.

Wird etwas erneuert im Hotel, wird das alte Material nicht weggeworfen, sondern solange verstaut, bis Giuliana Peverali eine neue Verwendung findet. So wurden Dachziegel zu einem Fenstersims im Restaurant und die charakteristisch gemusterten Terrakottafliesen (Cotto Lombardo) zu einem neuen Bodenbelag eines Gastzimmers. Was einst zum Haus gehörte, soll weiterhin im Haus bleiben, meint Giuliana Peverali. Damit schlägt sie einen Bogen vom Vorgestern zum Übermorgen, wobei ihr die Zukunft mehr am Herzen liegt. Nur einer hat nicht überlebt: Der Lorbeerbaum; Lauro steht nur noch im Namen der Locanda. (2016)

 

http://www.hotellauro.com/

Locanda Lauro

Familie Bruni Peverali

22010 Rezzonico – S.Siro (Co)

Tel + 39 0344 – 5 00 29

Handy + 39 348 – 26 46 726

 

Anreise mit öffentlichem Verkehr: Bequem reist man mit dem Palm Express; dabei handelt es sich um ein Schweizer Postautokurs von St.Moritz nach Lugano und zurück, eine schöne Fahrt über den Malojapass, durchs Bergell und entlang des oberen Zipfels des Comersees. Man kann auch in Lugano zusteigen. Rezzonico ist keine offizielle Haltestelle des Palm Express, aber wenn man den Chauffeur freundlich bittet, hält er in Rezzonico an. Die Linie ist allerdings nicht ganzjährig befahren.

Platzreservationen sind obligatorisch: https://www.postauto.ch/de/freizeitklick/palm-express

 

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