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5 von 53 gut & drauf:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel Amar Latif in Grossbritannien: Der blinde Reiseführer lehrt das Sehen...

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Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

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Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

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Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

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            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

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 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

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Disco100: 

Barcelonas Grösste

Im Rückblick auf fast 40 Jahre sieht es aus, als hätte es sich so ergeben. Von irgendetwas musste man ja leben, sagt Elisabeth. Aber vielleicht ist dieses Understatement auch nur ihrer Bescheidenheit geschuldet und dem Umstand, dass sie dem Wort „Leidenschaft“ misstraut. Fakt ist: Disco100 ist heute der grösste Musikladen von Barcelona und eine Institution, die sogar in Reiseführern erwähnt wird (zum Beispiel in  „Barcelona-Lieblingsorte“ von Peter Schwaar, Insel -Verlag). Dass Einheimische quer durch die Stadt fahren, um hier einzukaufen, liegt nicht nur an der Fülle des Sortiments, die erschlagend ist: 115‘000 Tonträger, CD, LP und DVD! Sondern man fährt auch ins Quartier Gracía, weil man hier kompetente Gesprächspartner findet, denen der Austausch mit der Kundschaft wichtig ist und die auch gern zuhören und von ihr lernen.

Disco100 ist eine Familienangelegenheit: Mutter, Vater, zwei Söhne (und ein Angestellter, der schon so lange dabei ist, dass er zur Familie gezählt werden kann). Alle pflegen, je nach Präferenz, ein Fachgebiet, alle Sparten sind abgedeckt von Klassik über Jazz bis zu Country, Pop, World Music  usw. Irgendjemand weiss Bescheid, was immer man auch wissen möchte.

Zu werden, was sie heute sind, war nicht geplant. Elisabeth (1951) stammt aus Deutschland, hat in Berlin Philologie studiert und ihren Ehemann, den Spanier Jesús (1953) in Frankreich kennengelernt. (In Spanien ist es möglich, nur den Vornamen zu nennen, und darum belassen wir es hier auch beim Vornamen). Zusammen zogen sie nach Barcelona und eröffneten 1978 einen Plattenladen, an der gleichen Strasse (Calle Escorial) wie heute, allerdings in einem viel kleineren Lokal, das mittlerweilen eine Buchhandlung beherbergt. Warum Barcelona? Zufall. Es hätte auch Madrid sein können. Warum ein Plattenladen? Das nun war kein Zufall. Elisabeth und Jesús sind zwar auch passionierte Lesende, aber Buchhandlungen gab es in der Mittelmeerstadt, hingegen keinen Musikladen, der diesen Namen verdiente. Das Nach-Franco-Spanien kaufte Bestseller auf dem Plattenteller mit Vorliebe im Warenhaus. Sie aber wollten die ganze Bandbreite hörbar und greifbar machen, nicht nur Hits und Mainstream.

 

Pop und sehr viel mehrPop und sehr viel mehr

Der aufklärerische Anspruch war durchaus willkommen. In den langen Jahren der Diktatur hatte sich Spanien hinter den Pyrenäen vom Rest der Welt abgeriegelt. Nach Francos Tod (1975) galt es,  Wissensdurst zu stillen und Wissenslücken zu füllen, gerade auch in der Musik. Eine zeitlang publizierte Disco100 sogar eine eigene Zeitschrift und arbeitete mit einem Radiosender zusammen, was den Bekanntheitsgrad erhöhte. Noch wichtiger war die Mundpropaganda. So fasste der Laden schnell Fuss und wurde zu dem, was er heute noch ist: die Adresse für Musikliebhaberinnen und Musikfreunde.

Und er hält sich auch tapfer in diesen Zeiten des Umbruchs, die gerade auch die  Musikbranche mit den neuen Hörgewohnheiten (Gratisdownloads allüberall) umwälzt. Sich auf Neues einzustellen, gelingt dank den beiden Söhnen Dan (1975) und Lutz (1983), beides studierte Ingenieure, die nach dem Studium erklärten, ins Geschäft einsteigen zu wollen, was ebenfalls weder geplant noch voraussehbar gewesen war. Sie führten neue Techniken (Online-Verkauf) ein und halten die Nase in den Wind. Manchmal liegt die Zukunft ja in der Vergangenheit. Bei Tonträgern heisst sie: Vinyl. Die schwarzen, schweren Langspielplatten erleben gerade ein Revival, und das hat Disco100 erkannt und sich entsprechend neu ausstaffiert; Langspielplatten brauchen viel mehr Platz als CD.

Live im LadenLive im LadenUnd noch für etwas sind die Söhne zuständig: sie organisieren Live-Musik. So wie Buchhandlungen zu Lesungen laden, so räumt Disco100 mehrfach pro Monat eine Ecke des L-förmigen Ladens frei. Eine Brauerei spendiert das Bier, Elisabeth streicht Häppchen, das Publikum macht es sich zwischen den Regalen gemütlich, und dann legen die Musikerinnen und Musiker los, manchmal solo, manchmal zu siebt, sogar ein Schlagzeug bringt man unter. Die Stilrichtungen? So breit wie das Angebot des Ladens. Und auch wenn Elisabeth noch so misstrauisch ist: an solchen Auftritten bricht sie durch, die Leidenschaft für Musik. (2016)

http://www.disco100.com/

 

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