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5 von 50 gut & drauf:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel Elisabeth Schwerin in Mittweida: schuf das soziokulturelle Zentrum Müllerhof...

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Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

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Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

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Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

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            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

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 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

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Stefan Frey:  

Kampf mit Windmühlen

 

 

Den Wind für Madagaskar genutzt: Stefan Frey von Mad'Eole Den Wind für Madagaskar genutzt: Stefan Frey von Mad'Eole

Der Wind weht aus der richtigen Richtung. Der Heissluftballon hebt ab und nimmt Fahrt auf. Doch bis zu ihrem Ziel, New York, schaffen es die Passagiere (Löwe, Giraffe & Konsorte) nicht: sie fallen zurück auf die wilde Insel im indischen Ozean, von der sie soeben gestartet sind. Wind und Madagaskar halten auch Stefan Frey fest, aber dann sind die Parallelen zur bonbonbunten Trickfilmwelt „Fröhliches Madagaskar“ auch schon zu Ende: https://www.youtube.com/watch?v=A2QFSM464LE.

In Afrika gibt es Wunder nur per Zufall, häufig aber dank Arbeit, Ausdauer und Ambitionen. Dem Durchhaltewillen ist es zu verdanken, dass nun die vier Dörfer Sahasifotra, Ambolobozokely, Ambolobozobe und Ivovona im Norden von Madagaskar über Strom verfügen. Und Strom bedeutet hier mehr als künstliches Licht: die Dorfgemeinschaften wurden nicht nur elektrifiziert, sondern regelrecht auch elektrisiert. Neue Jobs entstanden, neues Wissen wurde generiert, ein neues Selbstbewusstsein und Gemeinschaftsgefühl breitet sich aus. Am Anfang der Erfolgsgeschichte steht der Wind, der pausenlos über die Nordspitze der Insel pfeift und Stefan Frey bei einem seiner Besuche so nervt, dass er über eine Nutzbarmachung des stürmischen Gesellen nachzudenken beginnt. Und weil der 1952 in Olten geborene Frey ein Mann mit ziemlich grüner Vergangenheit ist, lagen ihm Windmühlen nahe.

Stefan Frey hatte das Land 1987 in seiner Funktion als Kommunikationsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung beim WWF Schweiz besucht, als es noch unter der sozialistischen Regierung abgeschlossen und dem Tourismus kaum erschlossen war. Nach diesem ersten kurzen Aufenthalt kehrte er später für zwei Jahre zurück, um die WWF-Projekte zu leiten. Auch danach liess ihn Madagaskar nicht mehr los, als er seine heutige Frau Aurélie, eine Madagassin, kennengelernt und sich in der Schweiz selbständig gemacht hatte. Aurélie wurde eine wichtige Mitstreiterin in der Umsetzung des Projekts, das Stefan Frey vorschwebte: Ein Windpark in der nördlichen Provinz Diego-Suarez, der mithelfen sollte, die Dörfer zu entwickeln und die Landflucht zu bremsen. Sie nannten ihr Projekt Mad’Eole: Mad als Wortteil von „Madagaskar“, und Eole nach dem griechischen Windgott Aiolos.

Doch wie es im „Fröhlichen Madagaskar“ so geht: auch Stefan Frey landete hart auf dem Boden der Realität. Das Projekt musste revidiert werden und sah nun anstelle des grossen Windparks vor, bis ins Jahr 2015 15 Dörfer an Strom aus Windkraft anzuschliessen. Vier Jahre nach Projektbeginn ging 2007 das erste Pilotdorf ans Netz, bis heute sind drei weitere Dörfer gefolgt, das fünfte, Joffre-Ville, wird gerade angeschlossen, drei weitere sind startbereit. Man ist also in Verzug auf der Marschroute, aber wichtig ist, was steht und (nebst dem Strom) bewirkt wurde. Sehen wir es uns einmal an:

 

Windanlage in AmbolobozokelyWindanlage in Ambolobozokely

In jedem der vier Dörfer produzieren Windenenergie-Anlagen mit einer Leistung von 5 kW bis 10 kW Strom. Die Häuser sind mit Steckdosen, Schaltern und Stromsparlampen versehen worden. 5000 Menschen geniessen nun auch am Abend gutes Licht, können einen Kühlschrank nutzen (ganz wichtig für Medikamente und Lebensmittel, die in der Tropenhitze schnell verderben), können auf stinkende und gefährliche Petrollampen verzichten. Neue Häuser wurden gebaut und bestehende renoviert, neues Kleingewerbe und Wochenmärkte siedelten sich an, die Abwanderung in die Städte konnte gestoppt werden: http://www.madeole.org/index.php/de/ Neue Arbeitsplätze entstanden; die Windenergie-Anlagen werden von lokalen Fachkräften gewartet; rund 20 Personen sind für diese Aufgaben zu Elektrikern ausgebildet worden.

Eine Schlüsselfunktion kommt den Frauen zu. Ohne sie, erzählt Stefan Frey in einer Radiosendung, gäbe es das Projekt nicht. Strom finde im Haus statt, und das Haus sei die Domäne der Frau. Sie für den Plan zu gewinnen, war die Aufgabe von Stefan Freys Frau, Aurélie:  http://www.madeole.org/index.php/de/12-news-de/34-radiosendung-vom-21-6-2013. Der Strom fliesst nämlich nicht gratis. Die Dorfbevölkerung muss sich engagieren. Vor Baubeginn einer Anlage müssen sich 80 Prozent der Haushalte zur Zahlung einer Stromgebühr verpflichten, sonst wird nicht gebaut: http://www.nzz.ch/entwicklung-gruendet-auf-der-kooperation-vieler-akteure-1.5805908 . Zudem leisten sie in Form von lokalem Material und Arbeitseinsätzen einen Beitrag an die Installationskosten:http://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/olten/die-menschen-haengen-am-tropf-der-entwicklungshilfe-129262771

Für Planung, Bau und Betrieb sorgt die (kommerzielle) Mad’Eole Gmbh, die als Generalunternehmung auftritt; die Anlagen werden teils vor Ort produziert: http://www.cyberking.ch/stefan/newsletter/MadEole_NL3dt.pdf

Zusätzlich unterstützt der (gemeinnützige) Verein Mad’Eole das Projekt durch die Finanzierung von Ausbildung, technischem Support, Informationen für die Bevölkerung und Organisation von Erfahrungsaustausch. Der Investitionsbedarf beläuft sich je nach Grösse auf rund 250‘000 – 500'000 Franken pro Dorf. Geld aufzutreiben ist mittlerweile die Hauptaufgabe von Stefan Frey. Bis 2012 betreute er das Projekt Mad’Eole vor Ort, heute lebt er wieder in der Schweiz, arbeitet bei der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, besucht Madagaskar aber jährlich und kümmert sich um Finanzen und Finanzierung. Dass die UNDP-Initiative „Growing Sustainable Business“ (GSB) das Projekt aufgenommen hat, hilft bei der Suche nach Gönnern. Spenden kommen aus der Schweiz, Deutschland, Finnland, Frankreich, Liechtenstein, Luxemburg, Monaco, Österreich.

In Afrika (wie andernorts auch) sind Rückschläge unvermeidlich, und Mad’Eole bekam einige zu spüren: Die von einer norddeutschen Firma gelieferten Windmühlen taugten nicht. Unter den politischen Krisen (Militärputsch 2009) brachen Partner weg, ging das Wirtschaftswachstum zurück, wuchs die Armut. Neben technischen Problemen macht die lasche Zahlungsmoral der Kundschaft Sorgen.

Krisen und Katastrophen, Rückschläge und Rückzüge: das schreibt sich leicht. Im wahren Leben bedeutet das, im Kleinklein des Alltags Nerven zu beweisen, an seiner Vision festzuhalten, nicht müde zu werden und weiterzumachen. Dafür wird man in Afrika (wie anderswo) auch belohnt: seine reiche Ernte an Beobachtungen und Eindrücken von 25 Jahren Madagaskar hat Stefan Frey, der in seinem ersten Leben Journalist gewesen ist, im Buch „Blätter aus dem Tropenwald“ festgehalten (Knapp-Verlag, 2013; ISBN 978-3-905848-75-5). Ein fertiger Roman – „Die Befreiung“ – ist im Selbstverlag erhältlich.

Der Wind weht weiter, wo er will. Aber in den Dörfern drehen sich die Windräder wie geplant. (2016)

http://www.madeole.org

Mad'Eole in Madagaskar:
Mad'Eole S.à.r.l. & Association

5, rue François de Mahy/BP 639
201 Diego-Suarez

Madagascar

Mad'Eole in Europa:
Förderverein Mad'Eole Schweiz
Postfach 355
4603 Olten
Schweiz

 

Bücher von Stefan Frey:

 

 

 

 

 

 

 

Neu: DER ABGANG - BERICHT AUS EINER NAHEN ZEIT

Roman. 308 S.

 

 

 

BLAETTER AUS DEM TROPENWALD
Kurzgeschichten aus Madagaskar. Knapp-Verlag, Olten.
Gebunden, 120 S., CHF 24.80.


DIE BEFREIUNG
Roman. 285 S.Im Eigenverlag: Fr. 45.-- (plus Porto).

Alle Bücher im Buchhandel oder beim Autor erhältlich: 
stefan_frey@bluewin.ch
 

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