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5 von 46 drauf & gut:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel der Friedensmarsch der Palästinenserinnen und Israelinnen vom Oktober 2016 ...

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Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

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Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

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Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

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            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

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 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

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 Theo Gerber, St. Gallen:

Arzt und Arvenpflanzer

Natur gemäss könnte man die Sache dem Tannenhäher überlassen. Der Rabenvogel mit der getüpfelten Brust lebt mit den Arven in einer symbiotischen Beziehung. Jedes Jahr legt er sich einen riesigen Wintervorrat an, den er aber nicht gänzlich verputzt. Aus den nichtgefressenen Nüsschen entwickeln sich Keimlinge, die nach und nach zu Bäumen wachsen. So bleibt der Baumbestand erhalten.Tannenhäher erhalten ArvenbestandTannenhäher erhalten Arvenbestand

Nun leben wir aber nicht mehr der Natur gemäss. Im „Rheinwald“, der obersten Talstufe des Hinterrheins im Kanton Graubünden sind der Arven- Lärchen-Bannwald rudimentär und mit ihm der Tannenhäher Nucifraga caryocatactes selten geworden. Viele glückliche Umstände bewirkten, dass sich der Sohne einer Vollwalserin aus Nufenen und Hinterrhein, der heute über 80 Jahre alte Arzt Theodor „Theo“ Gerber-Himmel aus St.Gallen, der Wiederherstellung des Arven-Lärchen-Bannwaldes zu widmen begann. In über 40 Jahren hat er mit walserischem Fleiss dafür gesorgt, dass im Rahmen des Projekts ARGE-Arven fürs Rheinwald,  Splügen, mehr als halbe Million Bäume gepflanzt und der Bannwald zurückgewonnen wurde.

 Das (sic) Rheinwald ist die oberste von drei Talschaften, die der Fluss Hinterrhein im Kanton Graubünden durchfliesst: https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinwald. Zum Rheinwald gehören die Gemeinden Hinterrhein, Nufenen, Splügen und Sufers. im 13.Jahrhundert waren hier die Walser zur Offenhaltung des Transits über den San Bernardino angesiedelt worden.  Sie besassen etliche Privilegien, zum Beispiel die Rodefreiheit, und sie benützten Arven für die Eisenverhüttung. Dass der Bannwald nach und nach stark dezimiert wurde, lag aber nicht an den Walsern: Schuld waren die freigehaltenen gefrässigen Ziegen, die sich an den Jungarven gütlich taten.ArvenzapfenArvenzapfen Natürlich gab es im Laufe der Zeit Wiederaufforstungsversuche, aber sie misslangen meistens. Wiederaufforstungen mit Arven galten als schwierig, gar unmöglich. Doch diese Erfahrungen schreckten Theo Gerber nicht ab. Schon als Bub sei er ins Baumpflanzen vernarrt gewesen, schreibt er im Beitrag <Die Wiederherstellung des Arvengürtels als Bannwald im Rheinwald „Splügen bis San Bernardino Pass“ >  (Bericht der St. Gallischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, Band 91).  Besonders angetan hat es ihm die Arve, dieser „kraftstrotzende, zähe Baum“ (Theo Gerber), der hervorragend ans Höhenklima angepasst ist, sehr langsam wächst, wie alles in 2000 Meter über Meer, nämlich rund einen Meter in 20 Jahren. Blüten treibt die Arve erst nach 60 Jahren. Dafür kann sie 1000 Jahre alt werden. Falls nicht vorher die Axt angelegt wird. Und das passiert oft, weil das Holz weich und ein idealer Werkstoff für Möbel und Wandtäfer ist und auch gut brennt (Hochöfen!). Folge: in der ganzen Schweiz wurden Arvenbestände übernutzt: http://www.waldwissen.net/wald/baeume_waldpflanzen/nadel/wsl_arve/index_DE

 Einen Verbündeten für sein Projekt fand der „Baumpflanzernarr“ (Zitat Theo Gerber) im 1992 verstorbenen Forstadjunkt des Kantons Graubünden: Walter Trepp brachte ihm 5000 dreijährige Sämlinge, die in Privatgärten und im Kloster gezogen worden waren. Trepp ist es auch zu verdanken, dass der Abschuss des Tannenhähers in den 70er Jahren verboten wurde. Früher glaubte man nämlich, schreibt Theo Gerber, dass der Rabenvogel mit seiner Vorliebe für Arvennüsschen den Wald schädige. Das Gegenteil ist der Fall, wie Förster Trepp belegten konnte.

 

In den BWachsen extrem langsam: Arven im BannwaldWachsen extrem langsam: Arven im Bannwaldergen pflanzt man kein Bäume mir nichts, dir nichts. Nur schon der Aufstieg ermüdet. Und oben angekommen, beginnt die Arbeit ja erst. Der Arzt Theo Gerber stieg oft hinauf, in allen Ferien, in der ganzen Freizeit. Sehr oft sass er auch am Schreibtisch und schrieb Gesuche für das Arvenprojekt. Seine Energie und Begeisterung steckten an: Die Rotarier arbeiteten mit, die Luftwaffe flog Helikoptereinsätze. Auch die Familie (drei Söhne) zog mit, allmählich auch Bauern aus der Gegend. Anfänglich hatten sich die Einheimischen skeptisch, sogar ablehnend gezeigt. Manchmal geriet er auch mit anderen Nutzern in Konflikt, etwa mit Viehhaltern, die mit dem Viehtrieb junge Arven schädigten.

Aber trotz der vielen Rückschläge gab er nicht auf. Seit 1974 wurden aus „bescheidenen Anfängen und zuerst zaghafter Zielsetzung“ (Theo Geber) mehr als 500‘000 Bäume, davon rund 100‘000 Arven im Hochtal  vom San-Bernardino-Pass bis hinab nach Splügen gepflanzt. Die genaue Zahl weiss niemand, denn immer wieder müssen beschädigte Bäume ersetzt werden, was das Zählen unmöglich macht.  Und über dem Berg ist das Projekt auch noch nicht. Ein neuer Schädling ist aufgetreten:  der Hirsch. Das Rotwild ist für die Jagd angefüttert worden und hat gelernt, in die Höhe zu klettern. Hirsche fressen Rinden und Zweigen, so dass der junge Baum abstirbt. Auch Rehe, Hasen und Birkhühner sind eine Bedrohung, und deshalb muss jeder Jungbaum mit einem Netzgitter geschützt werden, was Zusatzarbeit und Zusatzkosten bedeutet.

 Inzwischen hat Theo Gerber die Verantwortung für das Arvenprojekt jüngeren Kräften übergeben, aber er selber legt noch Hand an, mäht Farn und Gras, um den Jungbäumen Luft und Licht zu verschaffen. Und sollte er sich eines Tages ganz zurückziehen, kann er dies mit Zuversicht tun: denn bald wird der Tannenhäher wieder übernehmen. Das höhere Nüsschenangebot in dem Rheinwald lockt ihn an, wie der Journalist Hansjakob Baumgartner in einem schönen Text über Theo Gerber schreibt: http://www.bafu.admin.ch/wald/14051/16342/16708/index.html?lang=de

(2017)

 

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