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5 von 53 gut & drauf:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel Amar Latif in Grossbritannien: Der blinde Reiseführer lehrt das Sehen...

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Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

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Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

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Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

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            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

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 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

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Krzysztof Penderecki:

Der Baumsammler

 

Eine von 1700 Baumarten: Arboretum von Krzysztof PendereckiEine von 1700 Baumarten: Arboretum von Krzysztof PendereckiManche sammeln Briefmarken, andere Kreisel oder Schweigen. Krzysztof Penderecki sammelt Bäume. Bäume? Jawohl, Bäume! Bekannt ist er als Komponist; wir aber nehmen ihn in seiner Eigenschaft als leidenschaftlicher Baumjäger in den Blog auf.

Wo immer er hinkommt, und der Komponist kommt als gefragter Dirigent seiner Werke weit herum, schaut er nach Samen und Stecklingen aus, die er mitnehmen und bei sich zuhause verwurzeln kann. Zuhause ist in Polen, wo er 1933 geboren wurde. Im südpolnischen Lusławice, etwa 100 Kilometer östlich von Krakau, hat er auf einem Landgut ein Arboretum angelegt, das auf dreissig Hektaren über 1700 Arten versammelt und somit zum grössten Baumgarten in ganz Osteuropa gewachsen ist. Jedes Jahr fügt er seiner Sammlung etwa 100 Spezies bei. Mittlerweilen findet man hier fast alles, was in diesem Klima gedeihen kann, Eichen und Birken, Eiben und Buchen sowieso. Schon als Knirps noch in kurzen Hosen lernte er von seinem Grossvater die lateinischen Namen der Bäume; dessen Vater wiederum, also Krzysztof Pendereckis Urgrossvater, war darin als Förster firm gewesen.

Einer der komponiert und auch Bäume pflanzt, muss an die Zukunft glauben. Krzysztof Penderecki begann sein Arboretum vor 40 Jahren, und er wird es nie fertig sehen. Mehrere Angestellte kümmern sich um den Park, den er in Sektionen angelegt hat, wie eine Kunstsammlung. Es gibt einen italienischen und einen französischen Garten, einen Gartenpavillon und eine elegant gebogene rote Brücke übers Wasser, zwei Labyrinthe und vieles mehr. In seinem Buch „Labyrinth of Time“ (1998 veröffentlicht) vergleicht er sein Arboretum mit einer Arche Noah, die vor der Sintflut rettet, was ihm wichtig ist. Gegenüber der Regisseurin Anna Schmidt, die ihn für das Filmporträt „Wege durchs Labyrinth“ ein Jahr lang vor seinem 80. Geburtstag mit der Kamera begleitet hat, bezeichnet er das Labyrinth als ein Sinnbild für die Suche, ein Symbol für den schöpferischen Weg eines Künstlers: http://www.moviepilot.de/movies/wege-durchs-labyrinth-der-komponist-krzysztof-penderecki

Bäume und Musik, das sind seine Passionen. Beide brauchen Form, Strukturen. Beide wurzeln tief. „Keine Kunstform kann überleben, wenn sie keine Wurzeln hat. Schauen wir uns doch ganz einfach einen Baum an: er lehrt uns, dass ein Meisterwerk sowohl im Himmel als auch in der Erde verwurzelt sein muss, und dass dies immer die wichtigsten und fundamentalsten Werte sind, die dabei zusammenwirken.“:http://www.pizzicato.lu/einweihung-des-europaischen-krzysztof-penderecki-musikzentrums-in-luslawice/

Durch die Baumsammlung wandelnd, philosophiert er: „Genauso, wie man die Partitur einer Symphonie schreibt, muss man bei der Komposition eines Parks vorgehen. Ich komponiere ein Werk nicht von Anfang bis Schluss, sondern ich schreibe zunächst Fragmente, die ich in einen architektonischen Plan einfließen lasse. Dann verändere ich vieles, verschiebe Teile und Elemente zwischen den einzelnen Abschnitten. So ist es auch mit dem Park. Das ist ein Entstehungsprozess, der immer unberechenbar ist. Man pflanzt zum Beispiel sieben Bäume und weiß, dass letztlich nur drei davon bleiben. Damit bestimmte Bäume überleben, muss man andere Bäume wieder abholzen. Das ist sehr nahe am Komponieren. Da passiert es auch, dass man sieben Akkorde pflanzt und davon dann nur drei in diesem Teil der Komposition verbleiben.“: https://www.musikverein.at/monatszeitung/monatszeitungvoll.php?idx=1511

Krzysztof Penderecki hat Symphonien, Opern und Oratorien geschrieben, aber im Park entsteht seine Kammermusik. Dieser abgelegene Ort verschaffe ihm die dazu nötige Stille, sagt er:  http://www.residentadvisor.net/feature.aspx?1234

Und noch eine Verbindung gibt es zwischen Baum und Musik, eine physische: Das Arboretum grenzt an das European Krzysztof Penderecki Center for Music, der 2013 eröffneten Begegnungsstätte für junge Musiker und Musikprofessoren. Dieses Musikzentrum beherbergt einen Konzertsaal mit 650 Plätzen, Proberäume, Aufnahmestudio, Bibliothek und Wohnräume. Ziel des Zentrums ist die Förderung hochbegabter junger Musiker aus aller Welt. Sie können sich den Wurzeln nähern und ihre eigenen nähren, während sie ihren musikalischen Weg suchen. Eine Suche, die nie zu Ende ist. So wenig wie ein Arboretum.  (2015)

 

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