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5 von 50 gut & drauf:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel Elisabeth Schwerin in Mittweida: schuf das soziokulturelle Zentrum Müllerhof...

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Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

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Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

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Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

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            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

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 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

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Norman Uphoff: 

Ein Amerikaner im Reisfeld

 

Norman Uphoff im ReisfeldNorman Uphoff im ReisfeldSie wollen mich wohl auf den Arm nehmen, dachte Norman Uphoff, als er an einem Reisfeld in Madagaskar stand und ihm die Bauern stolz erklärten, hier bis zu acht Tonnen Reis pro Hektare zu ernten. Und dies bei einem Landesdurchschnitt von 2 Tonnen! Das Wunder im Reisfeld trägt eine nüchterne Bezeichnung: System of Rice Intensification, SRI. Bald sollte diese Abkürzung untrennbar mit seinem Namen verbunden sein. Aber damals ahnte der  skeptische Professor aus den USA noch nicht, dass ihn mit SRI sein Lebensthema gefunden hatte – nicht er habe es gesucht, sondern es habe ihn gesucht, betont er gern in Interviews (siehe Video unten).

Dabei ist Norman Uphoff, Jahrgang 1940, nicht Agronom, sondern besitzt einen Doktortitel in politischen Wissenschaften. Fremd ist ihm die Landwirtschaft allerdings nicht, da er auf einer Milchfarm in Wisconsin aufwuchs. An der Cornell-Universität im Bundesstaat New York hatte er sich auf ländliche Entwicklung, Bewässerungsmanagement und Kreditprogramme für Kleinbauernfamilien in Entwicklungsländern spezialisiert.  Als die Universität 1990 eine Spende von 15 Millionen Dollar zum Aufbau eines Programms zur weltweiten Hungerbekämpfung erhielt und damit das Institute for Food, Agriculture and Development (CIIFAD) gründete, wurde Norman Uphoff dessen erster Direktor.

In dieser Funktion reiste er nach Madagaskar, eigentlich um das Problem der Brandrodung zu studieren, und stiess auf SRI. Ein weiterer Ausländer, der französische Jesuit Henri de Laulanié, 1961 auf die Insel  gekommen, hatte diese Technik durch jahrelange Beobachtung, durch Nachdenken und Auswerten von Erfahrungen gemeinsam mit den lokalen Reisbauern entwickelt.  1980 baute Laulanié eine Landwirtschaftsschule und 1990 die NGO Association Tefy Saina auf, die beide SRI-Technik lehrten und propagierten: https://de.wikipedia.org/wiki/Henri_de_Laulanie

 

So phantastisch es tönt, SRI ist keine Hexerei. GrobAus einem Halm erwachsen Dutzende: SRI-Bäuerin in KambodschaAus einem Halm erwachsen Dutzende: SRI-Bäuerin in Kambodscha vereinfachend gesagt, funktioniert es so: statt ganzer Büschel werden nur zwei, drei Halme zusammen in die Erde gesteckt; das Feld wird nicht geflutet, sondern mit  wenig Wasser bedeckt gehalten; statt Kunstdünger werden Mist und Reisstroh aufgetragen; die Erde wird regelmässig gelockert, um die aeroben Bodenorganismen zu fördern. Anfänglich sieht ein solches Reisfeld aus wie ein gerupftes Huhn, und die Bauern und Bäuerinnen, die sich getrauen, brauchen für nachbarlichen Spott nicht sorgen. Während der Erntezeit lachen aber sie: aus einem Halm erwachsen bis zu 30, 40 Halme mit Dutzenden von Schösslingen und Hunderten von Reiskörnern daran.

Der Amerikaner Norman Uphoff hat den 1995 verstorbenen Franzosen Laulanié nie getroffen, aber dessen Erfindung weltweit populär gemacht. Dass SRI heute von über zehn Millionen Bauern und Bäuerinnen in 50 Ländern praktiziert wird, in Pakistan und den Philippinen, Tansania und Nepal, Kuba und China, ist zu grossen Teilen sein Verdienst. Er hat dafür gesorgt, dass die Methode wissenschaftlich untersucht und untermauert wurde, hat Studien veranlasst und selber publiziert, hat 2010 das SRI International Network and Resources Center an die Cornell-Universität geholt, an internationalen Konferenzen referiert und Politiker für die Sache gewonnen wie den früheren Landwirtschaftsminister Chan Sarun in Kambodscha, der zum grossen SRI-Verfechter wurde.

Doppelte und dreifache Erträge bei weniger Saatgut und geringerem Wasserverbrauch:  Da packt ein jeder Landwirt zu, würde man meinen. Dem ist nicht so. Viele sind so misstrauisch wie Norman Uphoff es anfänglich war. Und es stimmt ja auch: SRI ist arbeitsintensiv, verlangt eine genaue Arbeitsweise und stösst in einer allein vom Regen abhängigen Landwirtschaft an Grenzen. Böse Zungen behaupten allerdings, die SRI-Methode werde ausgebremst, weil niemand davon profitieren könne – ausser den Kleinbauernfamilien.  

Aber auch Grosse sind inzwischen hellhörig geworden:  2015 erhielt Norman Uphoff den mit 50'000 Dollar dotierten Olam Prize for Innovation in Food Security: http://olamgroup.com/about-us/heritage/25th-anniversary-initiatives/olam-prize-innovation-food-security/

Olam ist ein Agrobusiness-Multi, der 1989 in Nigeria klein begann, 1993 den Hauptsitz nach Singapur verlegte und heute mit 23‘000 Mitarbeitenden in 65 Ländern und Produkten wie Kaffee, Mandeln, Kernelsnüssen, Sesam und Kakao (Anbau, Verarbeitung, Handel) einen 20-Milliarden-Umsatz generiert. Ist dieser Preis des Multis nun Ironie oder Vereinnahmung? Was auch immer: jedenfalls ist es eine Auszeichnung. Sowohl für SRI wie auch für den unermüdlichen Einsatz von Norman Uphoff. (2016)

 

http://sri.ciifad.cornell.edu/aboutsri/aboutus/

 

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