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5 von 50 gut & drauf:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel Elisabeth Schwerin in Mittweida: schuf das soziokulturelle Zentrum Müllerhof...

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Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

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Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

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Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

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            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

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 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

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Bodo Mrozek, Sammler bedrohter Wörter

Verloren, vermisst... und aufgehoben

 

Der deutsche Wortschatz wächst kontinuierlich. Die 27., Anfang August 2017 erschienene Ausgabe des Dudens enthält 145‘000 Stichwörter, darunter 5000 neuaufgenommene. Als das Wörterbuch 1880 zum erstenmal auf den Markt kam, umfasste es 27 000 Wörter. Um den enormen Zuwachs richtig schätzen zu können, muss man wissen, dass bei jeder Neuauflage sogar noch unzählige Wörter rausfliegen. Das ist bedauerlich, Krutzitürken! Sintemal sich darunter Kleinode befinden, die  zum Ohrenschmaus gereichen. Die  vielen Abfälle haben auch Bodo Mrozek inkommodiert, und darum hat der 1968 geborene Historiker ein „Lexikon der bedrohten Wörter“ verfasst. Auf die Idee kam der Journalist, als die Zeitung Tagesspiegel einen Wettbewerb für das schönste Wort ausschrieb. Das war in den achtziger Jahren. Damals wurde viel über das Sterben geredet, über das Wal- und das Waldsterben, aber nie über das Wortsterben, und Bodo Mrozek fragte sich, was eigentlich mit all den ausrangierten Wörtern geschieht. Manche werden durch Neumodisches ersetzt, weil sich zum Beispiel Leute behüten statt mit Kopfputz schmücken. Andere verschwinden, weil der Gegenstand abhandengekommen ist, weshalb man aber nicht gleich einen Gendarm rufen mag:  Eine Mitschuld an er Ausdünnung des alten Wortschatzes ortet Bodo Mrozek bei der Dudenredaktion: im Gegensatz zum Oxford English Dicitonary verstehe sich der Duden nicht als Sprachspeicher, der alles je gesprochene bewahre, sondern als Spiegel dessen, was aktuell in aller Leute Munde sei, meint der Wortsammler. Dass der Rauswurf allein vom Sprachgefühl eines Lektors abhänge, wie er von der Duden-Redaktion erfahren hatte, störte ihn erheblich: http://www.taz.de/!506756/

Auf Anregung eines Verlages veröffentlichte Bodo Mrozek die gesammelten Raritäten 2005 in einem Buch; schon ein Jahr später erschien der zweite Band, 2008 beide Bände vereint als das „Grosse Lexikon der bedrohten Wörter“. Aufgenommen worden sei, was heute keine Relevanz mehr habe, schreibt der Autor im Vorwort. Manches ist zwar noch in Gebrauch, aber die ursprüngliche Bedeutung nicht mehr geläufig: das weiss man nicht gleich aus dem Stegreif. Damit sich der Leser nicht wie ein Ölgötze vorkommt, erklärt der Wortsammler Herkunft, Bedeutung, Grund des Aussterbens des Wortes; einige Begriffe sind illustriert: so sieht man mal, was man auf dem Kerbholz hat.

Das in lockerem Ton geschriebenen Buch (der Autor ist Berliner) traf einen Nerv. Das Lexikon verkaufte sich sehr gut, und alsbald begannen hunderte Zeitgenossen, seltene und seltsame Wörter beizusteuern. Und noch immer wird gesammelt, obwohl Bodo Mrozek sich inzwischen am Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft an der Humboldt-Universität in Berlin anderen Themen widmet; aber noch immer hütet eine  Website bedrohte Worte: http://www.bedrohte-woerter.de/

Das Sterben von Wörtern sei ein trauriger Prozess, meint Bodo Mrozek. Doch der Gang durch den Wortfriedhof kann auch erheitern. Erinnerungen werden wach an damals,  als man den Gummmiadler noch in  Stanniolpapier hüllte und sich das Fett auf die Galoschen tropfen liess. Tempi passati. Tote kann man nicht zum Leben erwecken. Oder doch? Man verwende die verbalen Kuriositäten einfach wieder!                                                                                                                                                                                                  (2017)

Bodo Mrozeks: Das große Lexikon der bedrohten Wörter Band I und II, rororo 2008

 

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