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5 von 53 gut & drauf:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel Amar Latif in Grossbritannien: Der blinde Reiseführer lehrt das Sehen...

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Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

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Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

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Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

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            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

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 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

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Blumen für die Kunst:

Vergänglichkeit trifft Ewigkeit

 

Bringt Kunst und Blumen zusammen: Angela WettsteinBringt Kunst und Blumen zusammen: Angela WettsteinKunst und Floristik lebten schon viel zu lange in zwei Welten, sagt Rudolf Velhagen, und es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sie endlich zusammengefunden hätten. An diesem Zusammentreffen hat der Kunsthistoriker kräftig mitgewirkt, gemeinsam mit der Initiantin Angela Wettstein. Sie haben „Blumen für die Kunst“ ermöglicht, ein faszinierendes Projekt, das seit 2014 im Kunsthaus in Aarau  jeweils im Frühling gezeigt wird. Diese Ausstellung ist, aus mehreren Gründen, von besonderer Art:  Erstens dauert sie jeweils nur eine Woche, da Blumen naturgemäss welken, Gräser verdorren, Blätter sich einrollen. Die tägliche Veränderung ist, zweitens, gewollt und Teil des Ausstellungskonzepts, das, drittens, reizvoll mit den üblichen Bemühungen heiliger Hallen kontrastiert, zu bewahren, was einmal erschaffen und als Kunst erkannt und anerkannt worden ist. Echte, lebendige Pflanzen sieht man in Museen und Galerien sonst höchstens als leicht verschupfte Dekoration zur Vernissage. In Aarau jedoch erhalten sie einen prominenten Platz: auf Augenhöhe mit den Kunstwerken. Wo Vergänglichkeit droht, gilt es, den Augenblick zu nutzen: über 10‘000 Besucherinnen und Besucher drängten sich 2016 in einer Woche durch die Museumssäle. Ein Publikumsmagnet!  

Florale Interpretation von Petra Stutz, St.Gallen zum Werk von Félix Vallotton, Femme à l'écharpe jaune, 1909. Foto: David AebiFlorale Interpretation von Petra Stutz, St.Gallen zum Werk von Félix Vallotton, Femme à l'écharpe jaune, 1909. Foto: David Aebi

 

Ein Anziehungspunkt ist die Schau von Bildern & Blumen auch in den USA, wo „Bouquets to Art“  vor mehr als 30 Jahren zum erstenmal im Fine Arts Museum de Young in der Flower-Power-Stadt San Francisco, wo sonst, erblühte. Angela Wettstein aus Zürich war davon so inspiriert, dass sie beschloss, die Ausstellungsidee in der Schweiz zu prüfen und für die Schweiz zu konzipieren. In San Francisco nehmen jeweils mehr als hundert Floristinnen und Floristen teil und das Ganze ist ein riesiger Marketing-Event mit dem Ziel Mittel für das Museum zu sammeln. Angela Wettstein aber interessiert vor allem, das floristische Potential in der Schweiz aufzuspüren und floristische Interpretationen von hoher Qualität mit erstklassigen Werken aus der Sammlung des Aargauer Kunstmuseums zusammenzubringen. Also suchte sie Schlüsselpersonen und kontaktierte zuerst den Kunsthistoriker Rudolf Velhagen. Beide kannten sich von ihren früheren Tätigkeiten bei der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia. Sie war von 2005 bis 2012 als Projektleiterin zuständig für internationalen Kulturaustausch- und Vernetzungsprogramme in den Bereichen Visuelle Kunst, Neue Medienkunst, Tanz, Theater, Literatur, Musik und Film; er leitete die Abteilung Visuelle Künste und Film. Heute besitzt sie ihre eigene Agentur, er ist seit 2012 Leiter der Historischen Sammlung des Kantons Aargau auf Schloss Lenzburg.

 

Gemeinsam gründeteFlorale Interpretation von Karl-Heinz Ritter, Rapperswil zum Werk von Francisco Sierra, The Universe, 2008. Foto: David Aebi
Florale Interpretation von Karl-Heinz Ritter, Rapperswil zum Werk von Francisco Sierra, The Universe, 2008. Foto: David Aebi n sie den Verein Flowers to Arts. Für ihr Ausstellungsprojekt holten sich die beiden auch zwei Meisterfloristinnen ins Team, Heidi Huber aus Frauenfeld und Marianne Wyss aus Zürich. Mit dem Aargauer Kunsthaus als Wunsch-Partner konnten sie ein Schwergewicht unter den Kunstmuseen gewinnen, das eine der wichtigsten Kunstsammlungen der Schweiz besitzt. Direktorin Madeleine Schuppli und Kurator Thomas Schmutz begrüssten die Idee dem Publikum einen neuen, überraschenden Blick auf die Sammlung zu ermöglichen.

2016 fand bereits die dritte Ausgabe der „floralen Interpretation von Werken aus der Sammlung“ (Ausstellungstext) statt. Rund ein Dutzend Floristinnen und Floristen aus der ganzen Schweiz werden jeweils eingeladen. Bevor sie sich an die Arbeit machen, erhalten sie eine kunsthistorische Einführung und setzen sich auch darüber hinaus mit dem ihnen zugewiesenen Bild oder der Installation auseinander. So unterschiedlich wie die Werke, ob klassisch, zeitgenössisch, figürlich oder abstrakt, so verschieden sind auch ihre Inszenierungen: Nicht einmal in Ansätzen ähneln sich die Arrangements, aber alle zeugen von überbordender, vasensprengender Phantasie.

Blütenregen von Priska Trautwein, Luzern, und Martina Kistler, Beinwil. Foto: David AebiBlütenregen von Priska Trautwein, Luzern, und Martina Kistler, Beinwil. Foto: David Aebi2016 sieht man zum Beispiel von Priska Trautwein aus Luzern und Martina Kistler aus Beinwil einen aus 2400 Köpfen von Ranunkeln, Nelken, Freesien, Tulpen aufgefädelten Blütenvorhang als bewegten, poetischen (und duftenden!) Ausgleich zum abstrakt-figürlichen Bild „Tagen“  (2005) von Giacomo Santiago Rogado. Oder man rätselt über ein enigmatisches Pendant zum dunkeldüsteren „The Universe“ (2008) von Francisco Sierra: morbid schwarze Rosen und Totenkopf auf einem Silbertablett, geschaffen vom Floristen Karl-Heinz Ritter aus Rapperswil. Luftig und heiter dagegen der Akzent von Petra Stutz aus St.Gallen, die zu Félix Vallottons „Femme à écharpe jaune (1909) einen Kontrapunkt aus Blütenzweigen von Kirschen und Magnolien setzt,  „als Sinnbild für das Erblühen eines Menschen in einer Lebensphase, in der eine gewisse Unschuld und Neugierde auf das, was kommen wird, mitschwingt“ (Begleittext zur Ausstellung).

Die einen malen Blumen, die andern malen mit Blumen. Im Kunsthaus treten die floralen Preziosen so selbstsicher auf wie das Öl auf der Leinwand,  eigenwillig und raumgreifend. Und durch die Blume sieht man plötzlich auch die Kunstwerke anders, nimmt den Hodler, den Iseli, die Rist, die Taeuber-Arp neu wahr – ein Gewinn für beide Seiten. Die Projektleiterin (notabene auch eine notorische Rosenliebhaberin, die sich als Mitglied der Rosengesellschaft Winterthur für den historischen Rosengarten der Kartause Ittingen im Kanton Thurgau mit seinen 1000 Rosenstöcken aus 250 historischen Sorten einsetzt), der Kunsthistoriker, der Museumskurator, sie alle sind ein Risiko eingegangen, nicht zuletzt das der kitschigen Verniedlichung – ihr Mut  hat sich gelohnt. (2016)

http://flowers-to-arts.ch/

FLOWERS TO ARTS
Hadlaubstr. 49
CH-8006 Zürich

 

Nach den "Blumen für die Kunst"  ein neues Experiment: Das Festival der Düfte

17. bis 22. Oktober 2017 auf Schloss Wildegg

 

http://www.scent-festival.ch/ 

 

  Startseite 

 

https://www.youtube.com/watch?v=yMT-yQFoNCE