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5 von 44 drauf & gut:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel der Friedensmarsch der Palästinenserinnen und Israelinnen vom Oktober 2016 ...

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Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

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Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

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Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

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            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

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 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

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Genossenschaft 31. März:

Mehr für Generationen

 

 

Traum vom gemeinsamen Wohnen: Genossenschaft 31. MärzTraum vom gemeinsamen Wohnen: Genossenschaft 31. MärzDie Jubiläumsbroschüre erschien erst drei Jahre nach dem Jubiläum. Anlass zur Veröffentlichung dieser informativen Rückschau war auch gar nicht der Dreissigste, sondern eine Aufräumaktion. Das passt zu dieser Genossenschaft, die sich „ 31. März“ nennt, obwohl sie überhaupt nicht an einem 31. März gegründet worden ist. Im 34. Jahr des Bestehens der Genossenschaft also beugten sich die Journalistin Charlotte Spindler und der Kunsthistoriker Hans Jörg Rieger,  beide seit Anfang Genossenschafter, über Dutzende von Ordnern mit Protokollen, Plänen, Baueingaben, Abrechnungen und Aktennotizen, die sich seit Gründung angesammelt hatten, und schrieben eine Broschüre, die sich so einnehmend liest, als sei man die ganze Zeit selber dabei gewesen.

Fünf Paare waren es, die 1980 ihren Traum vom gemeinsamen Wohnen und Leben teilten. In der Sprache der achtziger Jahre wurde das natürlich weniger blumig formuliert: „Ihr habt die Nase voll vom Alleinwohnen, von der Abhängigkeit gegenüber einem Vermieter oder von der Gewissheit, monatlich die Gewinne der Versicherungen zu erhöhen. Deshalb interessiert Ihr Euch auch für unser Projekt einer Hausgemeinschaft auf genossenschaftlicher Basis.“ So lautet der Aufruf zu einer Veranstaltung, an der alles seinen Lauf nahm. Am liebsten hätte man natürlich am Waldrand gelebt. Oder wenigstens mit Seeanstoss. Aber man war in Zürich und Wohnträume teuer, deshalb entschieden sich die Genossenschafter für die Innenstadt – vorausgesetzt, es fände sich ein Haus mit Gemeinschaftsraum,  Gemeinschaftsküche, Garten und Innenhof. Es fand sich eines: an der Schreinerstrasse. Inzwischen ist noch das Haus um die Ecke an der Anwandstrasse dazu gekommen, beide mit Dachterrassen und sensationellem Rundblick über Zürich. Und zu bezahlbaren Mieten!

Das (erste) Haus erwarb die Genossenschaft für 1,050‘000 Millionen Franken, zuzüglich „schmerzhaften“ (O-Ton Broschüre) 110‘000 Franken für die Zwischenhändler; das Haus an der Anwandstrasse kam viel später für 1,4 Millionen Franken dazu. Beide Liegenschaften werden selber verwaltet;  anfänglich mit Entscheid der Vollversammlungen, ab 1986 wurde dann ein Vorstand eingesetzt mit Präsident/in und Kassier.  Um die inneren Belange kümmern sich je ein Hausverein für Schreinerstrasse bzw. Anwandstrasse.

100 Personen haben bis heute in der Genossenschaft gewohnt, manche kurz, andere so lang, dass sie zum Mehrgenerationenhaus mutiert sind, ohne es geplant zu haben. Noch immer wird jeden Dienstag gemeinsam im Gemeinschaftsraum gegessen, Spaghetti und Penne, auch mal Chinesisches. Immer vier Personen zusammen kochen im Turnus. Und sicher immer auch Dessert.

„31.März“ war natürlich kein Genossenschaftspionier; in einem spannenden kleinen Exkurs wird die lange Tradition der Bau- und Wohngenossenschaften in Zürich aufgerollt, an deren Anfang die 1910 gegründete Eisenbahner-Genossenschaft steht; diese baute an der Röntgenstrasse die erste aus Selbsthilfe entstandene Wohnsiedlung. In den Zwischenkriegsjahren boomte der genossenschaftliche Wohnungsbau als Mittel zur Bekämpfung der Wohnungsnot. „31. März“ knüpfte an die traditionelle Genossenschaftsbewegung an, die gerade auch in Aussersihl eine wichtige Rolle spielte. Und die Verankerung und Mitwirkung im Quartier ist ihnen wichtig. Lange galten die Bewohnerinnen und Bewohner der Genossenschaft ein Stück weit als Exoten in diesem Arbeiter- und Ausländerviertel. Inzwischen hat man sich an sie gewöhnt und feiert tüchtig mit bei  den „Schreinerstrassen“-Festen. Aber es wird nicht nur gefeiert: Die Genossenschaft hat sich im Quartier für Verkehrsberuhigung engagiert, für die Aufwertung des Parks „Bäckeranlage“ oder für die Schaffung eines Quartiertreffs. Dass sie ihr Engagement durchaus selbstkritisch beurteilen: auch das passt zum "31.März". (2015)

 

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