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5 von 53 gut & drauf:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel Amar Latif in Grossbritannien: Der blinde Reiseführer lehrt das Sehen...

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Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

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Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

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Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

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            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

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 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

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Archiv zur Geschichte der Frauenbewegung:

Einsatz wider das Vergessen

 

Leidenschaft gut verpackt: Blick ins Frauenarchiv Worblaufen.
Foto Gosteli-Stiftung
Leidenschaft gut verpackt: Blick ins Frauenarchiv Worblaufen. Foto Gosteli-Stiftung Den grauen Schachteln, die in sämtlichen Zimmern des Hauses jede Wand  tapezieren, sieht man die Leidenschaften nicht an. Aber genau davon erzählen die darin enthaltenen Memorabilien, all die Briefe, Protokolle, Artikel, Handschriften und Tagebücher, die im Frauenarchiv in Worblaufen nahe Bern aufbewahrt werden. Sie zeugen von Passionen und Hoffnungen, von Courage und Tatendrang, auch von Verletzungen, Wut und Enttäuschungen, durchlebt und nicht zu knapp vor allem während des jahrzehntelangen Kampfes für das Frauenstimmrecht, das in der Schweiz bekanntlich erst 1971 auf Bundesebene eingeführt worden ist. Das Frauenengagement jedoch darauf zu reduzieren wäre zu kurz gegriffen und verfälschte die Geschichte (nicht nur) der Frauenbewegung der Schweiz.

Das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung, wie es korrekt heisst, dokumentiert eine grosse Bandbreite des Frauenwirkens vom 19. bis zum 21. Jahrhundert. Pionierinnen und Erfinderinnen sind sie schon früh gewesen, projektorientiert und pragmatisch, haben wagemutig Neues ausprobiert und kreative Antworten auf drängende gesellschaftliche Probleme gesucht – und gefunden. Ein paar Beispiele: 1886 betreiben die Freundinnen Junger Mädchen in mehreren Städten Töchterpensionen für alleinwohnende junge Frauen, um dem Missbrauch, der Ausbeutung und dem Frauenhandel vorzubeugen. 1915 erstreiten Frauen in Basel Gärten zur Selbstversorgung für Arbeiterfamilien; in Zürich richten sie im selben Jahr alkoholfreie Restaurants als Mittel gegen den grassierenden Alkoholismus ein, der unsägliches Leid über viele Familien brachte. Unzählige weitere Projekte werden im Bereich von Gesundheit, Kirche und Schule geschaffen. Schon 1896 existierten mehr als 5000 Frauenorganisationen mit über 96‘000 Mitgliedern, die sich für das Wohl, die Bildung und die Besserstellung der Frauen einsetzten, wie das Frauen-Comité Bern in einer Erhebung herausfand: http://www.gosteli-foundation.ch/de/dokument-des-monats

Viele Projekte sind inzwischen verschwunden, andere waren nachhaltig: So die SV Group, das heute grösste Cateringunternehmen der Schweiz, das auf den 1914 von Else Züblin-Spiller gegründeten „Schweizer Verband Soldatenwohl" zurückgeht: http://www.sv-group.com/de/geschichte/. Wer von denen, die in einer von der SV Group bekochten Mensa, einem Spital, einem Hotel oder Restaurant Suppe löffeln, weiss das noch? Die kollektiven Wissenslücken beschämen mitunter.

Frauenarchivgründerin Marthe Gosteli.
Foto Gosteli-StifungFrauenarchivgründerin Marthe Gosteli. Foto Gosteli-StifungDen Frauen ein Gedächtnis geben, an ihr Tun zu erinnern und es lebendig halten: diesem noblen Zweck hat sich das von Marthe Gosteli gegründete und von der Gosteli-Stiftung getragene Frauenarchiv verschrieben. Marthe Gostel, die  im April 2017 verstorben ist, war schon  zu Lebzeiten zur Legende geworden. Mit dem Frauenarchiv hatte sie  einen Traum verwirklicht, den andere schon in den 60er Jahren geträumt hatten. Damals planten die grossen Frauenverbände ein Zentrum, das das umfangreiche, aber überall verstreute und schwer zugängliche Archivmaterial bündeln sollte. Allein, es fehlte das Geld. 1982 stellte Marthe Gosteli ihr Elternhaus, das Gut Altikofen in Worblaufen, zur Verfügung, mietfrei bis auf den heutigen Tag und kräftig bezuschusst (ebenfalls bis heute), und wurde die erste Archivarin. Als Morgengabe übernahm sie 1100 Schachteln des Bundes Schweizerischer Frauenvereine BSF (heute: alliance f, Bund Schweizerischer Frauenorganisationen), die bei einem Umzug des BSF keinen Platz mehr gefunden hatten. Neu aufgestellt wurde in Worblaufen auch deren Handbibliothek, die mit ihren Monografien, Zeitschriften und Broschüren von historischem Wert ist.

Einer von drei Abteilungen: Bibliothek.
Foto Gosteli-StiftungEiner von drei Abteilungen: Bibliothek. Foto Gosteli-Stiftung

Im Frauenarchiv findet man Trouvaillen noch und noch. Etwa die Sammlung von Agnes Debrit-Vogel (1892 – 1974), ihres Zeichens Journalistin, die ab 1923 emsig Artikel über Frauen hortete, wohl mit dem Ziel, einst ein Frauenlexikon herauszugeben. Die mehr als tausend Texte und Fotos schenkte die Chronistin 1972 dem BSF. Wunderbarerweise setzt das aktuelle dreiköpfige Archivteam die Sammlung fort, als „Biographische Notizen“ in Form von Zeitungsartikeln, Lebensläufen, Nachrufen und Broschüren zu national und international tätigen bekannten und unbekannten Frauen. Die „Biographischen Notizen“ ergänzen die (Teil-)Nachlässe von Persönlichkeiten wie etwa denen der alt Bundesrätin Elisabeth Kopp-Iklé, der Theologin Marga Bührig (1915 – 2002) oder der Juristin und Politikerin Gret Haller.

 Natürlich befindet sich in Worblaufen längst nicht mehr das einzige Frauenarchiv in der Schweiz. Aber mit seinen über 400 Beständen von Frauenorganisationen, Frauenverbänden und persönlichen Nachlässen dürfte es das umfangreichste sein. Und es wächst weiter. Kürzlich kam das Archiv der Lindenhofschule Bern hinzu;  die 1899 gegründete Rotkreuz-Pflegerinnenschule war eine der ersten Pflegerinnenschulen, die nicht aus der Diakonie entstand.

Die Archivleiterin Silvia Bühler kann strahlen, wenn sie davon erzählt. Ein solcher Neuzugang ist eine Qualitätsbestätigung. Seit 2014 steht die 38jährige Informationswissenschafterin und Kulturmanagerin  dem Frauenarchiv vor, und in dieser Zeit haben sie und ihre beiden Mitarbeiterinnen das Archiv in eine moderne, den heutigen Anforderungen entsprechende Institution mit den drei Teilen Archiv, Bibliothek und Dokumentation weiterentwickelt. Die meisten Dokumente sind in säurefreien Materialien versorgt, die ausführliche Website ist übersichtlich und mit einem „Dokument des Monats“ anregend gestaltet, Findmittel sind online zugänglich. Angeboten werden Recherchen, Führungen, die Bereitstellung von Digitalisaten und Fotos für Ausstellungen oder Publikationen.

Jedes Jahr besuchen mehrere hundert Frauen (und Männer) das Frauenarchiv, nicht nur Sitz des Frauenarchives: Gut Altikofen. Foto Gosteli-StiftungSitz des Frauenarchives: Gut Altikofen. Foto Gosteli-StiftungGeschlechterforscherinnen und Geschichtsstudentinnen, sondern auch Frauenvereine, Parteimitglieder, Kulturveranstalterinnen, Schülerinnen und Schüler. Und es kommt vor, dass man dann Marthe Gosteli begegnet. Sie wohnt und lebt immer noch hier, 98 Jahre alt inzwischen, bescheiden in einem der Zimmer, immer noch ein waches Auge haltend auf Dokumente und Dokumentalistinnen. Das Lebenswerk einer grossen Persönlichkeit in die Zukunft zu führen ist eine heikle Aufgabe, wenn diese Persönlichkeit einem täglich über die Schultern schaut. Silvia Bühler ist es gelungen. Und dann strahlt sie wieder und zeigt noch ein Lebenswerk.

Es begann im Jahr 1945. Da starteten die Absolventinnen der Bäuerinnenschule Uttewil im Kanton Fribourg ihr erstes Klassentagebuch. Jede berichtete „Meinen lieben Kameradinnen“ das Neuste: Hochzeit, Geburt, Ferienreisen. Manche fügte ein Foto, eine Zeichnung an. Das Klassentagebuch wurde dann an die nächste Kameradin geschickt, reihum, Jahr für Jahr. Mit der Zeit wurden die Schriften wackliger, die Schreiberinnen weniger, 2009 erfolgte der letzte Eintrag: http://www.gosteli-foundation.ch/shared/findmittel/105-findmittel-baeuerinnenschule-uttewil.pdf

Dieses facebook avant la lettre ist rührender und berührender als jeder virtuelle Post; aber natürlich postet auch das Team: Das Frauenarchiv ist im 21. Jahrhundert angekommen.                                                 (2015/2017)

 

 

Neu:  Für die Nachlässe bedeutender Frauen können  Patenschaften übernommen werden.

Neu: 2017 ist die Stiftung mit dem Kulturpreis 2017 der Burgergemeinde Bern ausgezeichnet worden: https://www.bgbern.ch/burgergemeinde/kulturfoerderung/kulturpreis

Neu: Franziska Rogger hat 2017 ein weiteres Buch über Marthe Gosteli veröffentlicht: «Marthe Gosteli –Wie sie den Schweizerinnen ihre Geschichte rettete", Stämpfli Verlag, Bern

 

http://www.gosteli-foundation.ch

Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung

Altikofenstrasse 186

CH-3048 Worblaufen,
Tel. +41 31 921 02 22

 

Öffnungszeiten

Termin nach Vereinbarung. In der Regel offen Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 bis 17 Uhr

 

 

Neu zugängliche Bestände 2016:

Schweizerische Gesellschaft Bildender Künstlerinnen (SGBK): Die SGBK entstand, weil die Frauen bis 1972 keinen Zutritt zur Gesellschaft Schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten hatten. Der GSMBA-Präsident Ferdinand Hodler vertrat vehement die Haltung "mir wei kener Wyber" und verhalf den Frauen so zu ihrem eigenen Berufsverband. Zum Findmittel: http://aleph.unibas.ch/F/?local_base=DSV05&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000070074

 

Archiv Froueloube Bern: Der Verein Froueloube (zuerst: Verein Frouebeiz, später: Verein Frauenzentrum Bern) führte am Langmauerweg einen Gastbetrieb, stellte sein Lokal für kulturelle und soziale Veranstaltungen zur Verfügung und betrieb die Kinderspielgruppe "Zwirbu". Zum Findmittel: http://aleph.unibas.ch/F/?local_base=DSV05&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000070072

 

 

 

 

 

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