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5 von 53 gut & drauf:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel Amar Latif in Grossbritannien: Der blinde Reiseführer lehrt das Sehen...

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Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

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Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

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Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

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            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

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 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

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Cuisine sans frontières:

Gastfreundschaft in Krisengebieten

 

 

So ungefähr muss man sich das vorstellen: Zwei Köche sitzen im Trockenen und warten, dass der Regen aufhört. Es giesst wie aus Kübeln, denn sie sitzen in den Tropen, in Kolumbien. Die beiden Schweizer unterhalten sich. Natürlich sprechen sie übers Kochen. Du mit deinen Pizze, frotzelt der eine. Du mit deiner Pasta, schiesst der andere zurück. Ein Wort gibt das andere, und plötzlich ist da die Idee, einmal gegeneinander zu kochen. Daraus erwächst der Kitchen Battle, der 2009 zum erstenmal in der Roten Fabrik in Zürich ausgetragen wird und seither mit viel Resonanz fortgesetzt und auch auf Basel, Bern und Luzern ausgedehnt wurde.Dieses etwas andere Kochereignis ist eine Benefizveranstaltung für Cuisine sans frontières.

Und die Entstehung dieser Organisation kann man sich etwa so vorstellen: Es ist Sonntag, und Monique Zumbrunn, Lektorin in Zürich, liest „Der Victoriabarsch und anderes vom Essen“. Autor David Höner lässt Protagonisten mit sprechenden Namen wie Koch Hunger und Kredenzia Schwertfeger auftreten. In diesem Büchlein gründet Kredenzia in Wien gemeinsam mit Freunden aus dem Gastgewerbe die Stiftung „Köche für den Frieden“, die an neuralgischen Orten dieser Welt Gastmähler zwecks Versöhnung ausrichtet. Monique Zumbrunn gefällt, was sie liest (das ist unschwer nachvollziehbar). Sie bekommt Appetit (auch das kann man nachvollziehen). Dann machen wir doch so eine Stiftung, denkt sie. Und sie machen sie.

 Eine Handvoll Frauen und Männer hebt 2005 den Verein Cuisine sans frontières aus der Taufe, David Höner, Jahrgang 1955, gelernter Koch, Journalist, Catering-Unternehmer, Reisender, Geniesser, Pendler zwischen Lebensorten in Ecuador und der Schweiz, wird erster Präsident. Die Schweizer Köche von Kolumbien sind einige Zeit später auch dabei: Ivo Müller, Gastrounternehmer Cucina Paradiso: http://www.cucina-paradiso.ch und Restaurant Rosso und Bar Basso: http://www.restaurant-rosso.ch sowieTom Gfeller,Werdinsel-Restaurant: http://www.werdinsel.com/Werdinsel_Restaurant_Kontakt.html. Die Statuten halten als Vereinszweck fest: Aufbau von Gaststätten, Gemeinschaftsküchen oder Schulküchen in sozialen Konfliktsituationen oder Krisengebieten, um einen Beitrag für ein friedvolleres Zusammenleben zu leisten. Wer an einer Tafel von Cuisine sans frontières isst, soll höchstens über den Geschmack streiten.Csf-Projekt in Selo, KongoCsf-Projekt in Selo, Kongo

Köche reden nicht um den heissen Brei herum. Der Verein mit heute rund 400 Mitgliedern verfügt über eine Teilzeitgeschäftsstelle, aber die Projektarbeit vor Ort wird von Vorstandsmitgliedern und ehrenamtlichen Projektmitarbeitenden geleistet. Wer sich bei Cuisine sans frontières engagiert, packt an. Reist nach Lateinamerika oder Afrika, klärt ab, konzipiert und knüpft Beziehungen zu staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen. Die Organisation bringt das Knowhow von Schweizer Gastronomen und Köchen ein und leistet (finanzielle) Aufbauhilfe. Die ersten Projekte wurden in Kolumbien (eine Gemeinschaftsküche in San José de Apartadó, 2007) und in Ecuador (Bäckerei in einem Frauengefängnis in Quito, 2009) realisiert. Es folgten weitere in Brasilien, Kenia, in der Demokratischen Republik Kongo. Im Kaukasus entsteht im ehemaligen Kurort Tskaltubo eine Ausbildungsstätte für Köche, Kellner und Gastronomiepersonal. Tskaltubo war einst ein bedeutendes Heilbad, doch nach 1990 wurden in den pompösen Sanatorien Flüchtlinge aus Abchasien untergebracht und der Kurbetrieb kam fast gänzlich zum Erliegen: https://de.wikivoyage.org/wiki/ZkaltuboCsf-Gastroausbildung in Tskaltubo, GeorgienCsf-Gastroausbildung in Tskaltubo, Georgien

 

Weiter im Gespräch sind Projekte in Kurdistan und Kirgistan, und kurz vor der Inbetriebnahme steht die Flussküche auf dem Rio Napo, die zwischen Coca und Nueva Rocafuerte Fahrt aufnehmen soll. Gemäss Wikipedia ist die Ansiedlung Nuevo Rocafuerte der am weitesten östlich gelegene Ort Ecuadors; der Fluss Rio Napo bildet an dieser Stelle die Grenze zu Peru.  Der Ort mit 300 Einwohnern und Einwohnerinnen ist nur mit einem einmal täglich von Coca kommenden Kanu zu erreichen. Neben einer Kaserne befindet sich in Nuevo Rocafuerte auch das einzige Krankenhaus der weiteren Umgebung. Die nächstliegenden Strassen sind etwa 250 km entfernt: https://de.wikipedia.org/wiki/Nuevo_Rocafuerte

Ein Ort für Cuisine sans frontières! Denn zwischen den neuen und traditionellen Siedlern und den indigenen Gemeinschaften, die seit Urzeiten hier leben, flackern immer wieder Spannungen auf. Im schwimmenden Restaurant werden alle willkommen sein, sollen gemeinsame Mahlzeiten für Entspannung sorgen.

Nicht gerade im Dschungel, aber sicher am Rande liegt ein Einsatzort in Zürich: Das Bundesempfangszentrum für Flüchtlinge im Quartier Altstetten. Das Juch-Zentrum an sich ist zwar kein Krisenherd, aber die hier nach langer Flucht gestrandeten Menschen sind ein wandelndes Mahnmal von Kriegen und Katastrophen anderswo. Einmal im Monat kocht ein Team von Cuisine sans frontières gemeinsam mit den Asylsuchenden: das ist eine willkommene Abwechslung für die Menschen auf der Flucht, deren Alltag von Ungewissheit und lähmendem Warten geprägt ist.

 

Köstlichkeit vom Kitchen BattleKöstlichkeit vom Kitchen Battle

Von Brot für Gefangene über Huhn mit Reis für Hunderte im Juch-Zentrum bis zur Spitzengastronomie an den Kochwettkämpfen: die kulinarische Bandbreite des „Hilfswerks der Schweizer Gastronomie“ (Geschäftsleiterin Anna Hofmann) widerspiegelt etwas von der Lust am Tun, das durch kein starres Leitbild eingeengt wird. Und das gilt erst recht für den Kitchen Battle, mit dem 80 Prozent der Vereinseinnahmen generiert werden. Um einem den Speck durch den Mund zu ziehen, sei er hier beschrieben:

Jeweils zwei professionelle Kochteams kochen an fünf Abenden auf der Bühne (in Zürich in der Roten Fabrik) ein 3-Gang-Menü aus einem Warenkorb, den sie um 10 Uhr an eben diesem Tag erhalten haben. Sie zaubern daraus zum Beispiel einmal Tortelloni mit Mandarinen und Frischkäse in Randenconsommé mit Filo-Ingwer-Brösel, Fetachoux auf frischen Feigen mit Belugalinsen und Baumnüssen … (hat da jemand „Aufhören!“ gestöhnt? Also gut.) Geniessende und Notengebende sind die 150 zahlenden Gäste, dazu kommt eine fünfköpfige Jury aus Fachpersonen und Prominenten, die den Sieger des Abends kürt. Am letzten Abend findet das Finale statt. Sieger war im Oktober 2015 die  Maison Manesse, ebenfalls aus Zürich: http://www.maisonmanesse.ch/

 (2015)

http://www.cuisinesansfrontieres.ch/de/home

 

 Cuisine sans frontières

Birmensdorferstrasse 109

CH-8003 Zürich

 

Die Vereinsmitgliedschaft bei csf kostet 100 Franken pro Jahr für Privatpersonen und 300 Franken für Gastro-Mitglieder.

Der nächste Kitchen Battle finden statt: in Neubad Luzern vom 27. bis 29. Oktober 2016; in der Roten Fabrik Zürich vom 2. bis 5. November 2016; am 6. November 2016 Gala Battle in der Roten Fabrik. Ein Gedeck kostet 150 Franken pro Person, inkl. Apero und Mineralwasser.

 

Buchhinweis: David Höner: „Victoriabarsch und anderes vom Essen“ erhältlich bei: info@cuisinesansfrontieres.ch

 

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