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5 von 50 gut & drauf:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel Elisabeth Schwerin in Mittweida: schuf das soziokulturelle Zentrum Müllerhof...

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Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

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Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

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Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

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            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

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 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

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Mario Gerteis‘  Gesammelte Werke

 

Er wird bleiben, auch wenn er jetzt für immer gegangen ist. Auch seine Tonträgersammlung wird bleiben, dafür hat er früh gesorgt. Sie ist umfassend, um das wenigste zu sagen: mehr als 35‘000 CD und Schallplatten klassischer Musik, von John Adams bis Alfons Karl Zwicker, Opernaufführungen und Oratorien, Sinfonien und Streichquartette, historische Aufnahmen und Neueinspielungen –  gesammelt, aber vor allem gehört und gewertet. Goethe soll am Ende seiner Tage „Mehr Licht!“ verlangt haben; Mario Gerteis wünschte sich „Mehr Musik!“. Für ihn war Musik Grundnahrung, existenziell.

Dabei galt seine erste (oder zumindest andere) Leidenschaft dem Film. 1937 geboren und in Luzern aufgewachsen, gründete er, gerade mal 20 Jahre alt und noch (Jus-)Student, zusammen mit dem (2013 verstorbenen) Filmwissenschaftspionier Viktor Sidler die Filmproduktionsfirma Septima Ars. Sie drehten 16 Filme, bis auf einen alle Spielfilme, darunter auch Liebesfilme in O- und X-Form. O-Liebesfilm? X-Form? Das Buchstabenrätsel entschlüsselte Mario Gerteis in einem Videobeitrag des StadtLabors Luzern 2008 so unnachahmlich, dass wir anstelle einer Wiedergabe des Gesprächs wärmsten empfehlen, sich das selbst zu Gemüte zu führen – siehe unten.

Bildbesessen und experimentierfreudig blieb er, legte die Kamera auch nie ganz zur Seite, aber  zum Beruf machte er die Musik. Dabei spielte er selber gar kein Instrument. Er war zum Hören geboren.  

Seine Karriere begann er, 15jährig, als Platzanweiser bei den Internationalen Musikfestwochen Luzern, dem heutigen Lucerne Festival. Dank diesem Job konnte er die Grossen jener Zeit erleben: Furtwängler, Backhaus, Fricsay, Rubinstein, Mitropoulos, Haskil, Hindemith, Britten, Kubelik , den jungen Karajan.

Eine Initiation auf hohem Niveau. Mario Gerteis avancierte schnell vom Platzanweiser zum Schreiber, stieg vom  reinen Hörer zum gefragten Musikkritiker auf. Das Theaterlexikon listet seine beruflichen Stationen auf:  Ab 1957 Mitarbeiter beim "Luzerner Tagblatt" (Musik- und Filmkritik),  "Neue Zürcher Zeitung", 1958–73 Oltner "Woche", ab 1961 freier Mitarbeiter des "Tages-Anzeigers", 1967–78 Mitarbeiter der "Luzerner Neuesten Nachrichten", 1978–98 Musikredaktor beim "Tages-Anzeiger".  Die Opernwelt fesselte ihn. 1980 hospitierte er als Regieassistent bei Jean-Pierre Ponnelle und Nikolaus Harnoncourt am Opernhaus Zürich, als Kritiker berichtete er praktisch über alle wichtigen Opernaufführungen in der Schweiz und oft auch im Ausland: http://tls.theaterwissenschaft.ch/wiki/Mario_Gerteis

Ein halbes Jahrhundert Beiträge für Publikums- und Fachzeitschriften, für Radiosendungen undinternationale Fach- und Publikumsorgane, die er auch nach seiner Pensionierung 1998 noch bediente: Da kommt schon etwas zusammen. Zum Beispiel die eine oder andere Anekdote über den einen oder anderen Musiker und Maestro, Konzertveranstalter und Konzertmeister. Mario Gerteis teilte sie grossmütig mit der Öffentlichkeit in Form einer wöchentlichen Webkolumne, die er später im Buch «Aus dem Leben eines Musikkritikers» publizierte – siehe unten.

Und zusammen kam auch eine Diskothek, die einmalig sein dürfte in der Schweiz. Beileibe nicht alle CD, DVD und Schallplatten waren ihm von Labels als kostenlose Rezensionsexemplare zugeschickt worden. Wie viele Musikkenner erinnert er sich an den Kauf seiner ersten Langspielplatte klassischer Musik: es war die Zweiten von Mahler. Das Geld dafür (und für den Plattenspieler) hatte er sich auf dem Bau verdient. Mahler auf Vinyl folgten unzählige weitere. Er sei eben der Sammlertyp, sagte Mario Gerteis einmal lakonisch: http://www.luzern60plus.ch/aktuell/portraet/der-mann-mit-zwei-leidenschaften/

Üblich ist, die CD in einem Regal aufzubewahren und dieses Regal irgendwo in der Wohnung zu platzieren. Mario Gerteis hingegen baute die Wohnung um die Sammlung herum. Schwere Archivschränke mit Rollregalen, die mit einem Drehmechanismus hin- und hergeschoben werden können, bewahren den Schatz; man wähnt sich in einer Aussenstation einer Universitätsbibliothek. Und genau so ist es auch. Mario Gerteis‘ hat seine gesammelten Werke der Hochschule Luzern vermacht.  Rund 18‘500 CDs sind bereits in den Bestand der Zentral- und Hochschulbibliothek aufgenommen worden und über den Katalog abrufbar. Physisch soll die Sammlung 2019 in den Neubau der Hochschule – Musik ziehen: https://www.hslu.ch/de-ch/musik/campus/bibliothek/sammlung/sammlung-mario-gerteis

„Mehr Musik!“. Das waren Mario Gerteis‘ letzte Worte. Er starb im Januar 2016.

 (2016)

Marios Gerteis: Aus dem Leben eines Musikkritikers. Verlag Hochschule Luzern, 2013

https://vimeo.com/10651736   

 

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