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5 von 50 gut & drauf:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel Elisabeth Schwerin in Mittweida: schuf das soziokulturelle Zentrum Müllerhof...

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Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

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Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

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Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

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            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

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 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

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Teresa von Ávila:

Schatz an Erfahrungen

 

 

Mit gespitzter Feder: Teresa von ÁvilaMit gespitzter Feder: Teresa von Ávila Ihr Humor steckt an, auch nach 500 Jahren noch. Bekannt und verehrt ist Teresa von Ávila, die 1515 bis 1582 lebte, als Mystikerin und als Reformerin des Karmeliterordens. Wir widmen ihr einen Blog-Beitrag ihres Frohsinns wegen. Und wegen ihrer Selbstironie. Hören Sie sich das an: „Herr! Du weißt, was du tust, und ich weiß nicht einmal was ich sage!“ Sie mag eine Heilige gewesen sein, aber sie hatte auch eine sehr direkte Zunge. Vielleicht wurde sie deshalb zur Patronin der hispanischen Schriftsteller. Im „Gebet eines älter werdenden Menschen“ bittet sie ihren besten Freund, den lieben Gott, sie davor zu bewahren, schwatzhaft zu werden und bei jeder Gelegenheit und über jedes Thema mitreden zu wollen. Ein Bittgebet, das nicht nur jeder alternde Mensch beherzigen sollte! Eine emotionale Persönlichkeit sei sie gewesen; sie habe ihre Gefühle unzensiert in ihre Gebete eingebracht, sagt die Karmelitin Elisabeth Peeters in einer Radiosendung zum 500. Geburtstag von Teresa: www.srf.ch/sendungen/perspektiven/teresa-von-avila-mystikerin-und-klostermanagerin

Über Teresa von Ávila ist viel publiziert worden. Sie war leidenschaftlich fleissig, gründete Klöster im Dutzend, reformierte den Karmel-Orden, schrieb Bücher. Und auch in diesen Werken blitzt an vielen Stellen Humor auf, so etwa im „Buch der Gründungen“ (Teresa von Ávila: Das Buch der Gründungen, herausgegeben und übersetzt von Ulrich Dobhan OCD und Elisabeth Peeters OCD, Herder spektrum, Freiburg). Dabei war ihr Leben kein Sonntagsspaziergang. Sie kannte Kriege, Krisen und schwere Krankheiten. Und ihr Jahrhundert schätzte Frauen wenig. Spiritualität und Freundschaft mit Gott halfen ihr über alles hinweg: Solo Dios basta, soll ihr Leitspruch gewesen sein: Gott allein genügt. Ihre Direktheit schuf ihr viele Freundinnen und Freunde. Laut eigenem Bekunden war sie vielerorts wohl angesehen: „Gott hat mir die Gnade gegeben, dass ich überall, wo ich hinkam, Sympathie hervorrief, und so war ich sehr beliebt“:

Der Vatikan hat sie 1622 heiliggesprochen, obwohl das nie ihr Ziel gewesen ist: „Ich habe nicht den Ehrgeiz, eine Heilige zu werden. Mit manchen von ihnen ist es so schwer auszukommen. Aber ein scharfes altes Weib ist eins der Meisterwerke des Teufels.“ Diese Strophe ist dem „Gebet des älter werdenden Menschen“ entnommen, von dem es mehrere (deutsche) Versionen gibt, zum Beispiel diese:

 

Herr, du weisst, dass ich altere und bald alt sein werde. Bewahre mich davor, schwatzhaft zu werden und besonders vor der fatalen Gewohnheit, bei jeder Gelegenheit und über jedes Thema mitreden zu wollen. Befreie mich von der Einbildung, ich müsse anderer Leute Angelegenheiten in Ordnung bringen. Bei meinem ungeheuren Schatz an Erfahrungen und Weisheit ist’s freilich ein Jammer, nicht jedermann daran teilnehmen zu lassen.

Du weisst, Herr, am Ende brauche ich ein paar Freunde. Ich wage nicht, dich um die Fähigkeit zu bitten, die Klagen meiner Mitmenschen über ihre Leiden mit nie versagender Teilnahme anzuhören. Hilf mir nur, sie mit Geduld zu ertragen, und versiegle meinen Mund, wenn es sich um meine eigenen Kümmernisse und Gebrechen handelt. Sie nehmen zu mit den Jahren, und meine Neigung, sie aufzuzählen, wächst mit ihnen.

Ich will dich auch nicht um ein besseres Gedächtnis bitten, nur um etwas mehr Demut und weniger Selbstsicherheit, wenn meine Erinnerungen nicht mehr mit der anderer übereinstimmen. Schenke mir die wichtige Einsicht, dass ich mich gelegentlich irren kann.

Hilf mir, einigermassen milde zu bleiben. Ich habe nicht den Ehrgeiz, eine Heilige zu werden. Mit manchen von ihnen ist es so schwer auszukommen. Aber ein scharfes altes Weib ist eins der Meisterwerke des Teufels.

Mache mich teilnehmend, aber nicht sentimental, hilfsbereit, aber nicht aufdringlich. Gewähre mir, dass ich Gutes finde, wo ich es nicht vermutet habe, und Talente bei Leuten, denen ich es nicht zugetraut hätte. Und schenke mir, Herr, die Liebenswürdigkeit, es ihnen zu sagen.