Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

5 von 53 gut & drauf:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel Amar Latif in Grossbritannien: Der blinde Reiseführer lehrt das Sehen...

weiterlesen

 

Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

weiterlesen

Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

weiterlesen

 

Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

weiterlesen

 

            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

weiterlesen
 
 
 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

weiterlesen

Museum in Weisstannen:

Modern Times in Alter Post

 

Neues Museum in Alter PostNeues Museum in Alter PostEs brauchte: eine Frau, sieben Männer und den festen Willen, das seit langem leerstehende historische Gebäude erhalten und umnutzen zu wollen, mochte der Preis auch hoch sein. Und sie haben es geschafft: An Pfingsten 2013 wurde die Alte Post in Weisstannental, Kanton St.Gallen, als Museum eröffnet. Neu, interaktiv, modern und nicht wiederzuerkennen. Als wir das Haus vor ein paar Jahren besichtigen durften, verbargen Spinnweben den einzigartigen Gewölbekeller, trauerten im grossen Estrich die schwarzen Röcke der letzten Bewohnerin nach, roch jeder Raum nach Verlassenheit und Verfall. Das Spendenbarometer zeigte auf null.

Das Weisstannental zählt, zusammen mit dem Weiler Schwendi, gerade mal rund 230 Bewohnerinnen und Bewohner. Da ist ein Millionenprojekt kein Pappenstiel. Aber sie machten es geschickt, die Marketingfachfrau, der Maschineningenieur, Haustechniker, Elektroentwickler, Bankkaufmann, Zimmermann/Schreiner und Geomatiker. Sie gründeten 1998 die Stiftung Erlebnis Weisstannental, sanierten die Alte Sägerei und Sennerei und erwarben das Gebäude der Alten Post von den damaligen Privatbesitzern. Um die für Kauf und Renovation benötigten 1,76 Millionen Franken zusammenzubringen, wurde einiges auf die Beine gestellt. Eine stolze Summe! Und sie krönte das knallgelbe Spendenbarometer, das vom Boden bis unters steile Satteldach reichte und nicht zu übersehen war. Ein kluger Fundraisingzug, denn in das Hochtal mit seinen Wasserfällen und Naturschönheiten zieht es jedes Jahr Hunderte von Wanderern und Ausflüglerinnen.

Dem Dorf mag man es nicht ansehen, aber die Weisstanner sind und waren schon immer pfiffig. Da ist zum Beispiel die Sache mit der Dorfschule. Das Weisstannental gehört zur Gemeinde Mels. Mels liegt unten, Weisstannen oben. Normalerweise gehen Bergkinder zur Schule ins Tal hinunter, wenn eine eigene Schule nicht (mehr) rentiert. Aber die Weisstanner drehten den Spiess um: Sie richteten eine Schule mit Tagesstrukturen ein, mit der sie die Melser hinauf lockten; sie sind gegenüber den Weisstannern sogar in der Überzahl: http://www.nzz.ch/schweiz/von-aus--und-einwanderern-hexen-und-steinboecken-1.18519841

Oder dann die Geschichte mit dem Steinbock: Im letzten Jahrhundert praktisch im ganzen Alpenraum ausgestorben, ausgerottet aus Gier nach seinem Fleisch und seinen mächtigen Hörnern, überlebte eine einzige Art am Gran Paradiso. Der liegt im Aostatal in Norditalien auf königlichem Jagdgebiet. Auch der König war habgierig, darum verweigerte er die Erlaubnis für das Fangen und Ausführen von Steinböcken. Das scherte die Jäger aus dem Kanton Wallis wenig; heimlich fingen sie drei Kitze, ein Böcklein und zwei Geisslein, und schmuggelten sie bei Nacht und Nebel über die Grenze in den Tierpark „Peter und Paul“ in St. Gallen, wo sie aufgepäppelt und 1911 in Weisstannental ausgesetzt wurden; dort ist man heute noch so stolz auf die listige Tat, dass man das Hundertjährige 2011 ordentlich feierte.

Und jetzt also, nach der Alten Säge  und der Alten Sennerei, die Alte Post. Der Spätbarockbau stammt aus dem Jahr 1772, erbaut als Sust des Frauenklosters Schänis. Wikipedia beschreibt die Sust als einen Güterumschlagplatz,  der ein Lagerhaus mit Verwaltungsteil hatte. Zur Zeit des Säumerwesens mussten die transportierten Waren auf längeren Strecken mehrfach umgeladen werden. Die Säumer waren in Genossenschaften organisiert, die ein Transportmonopol auf bestimmten Strecken hatten. An den Enden dieser Strecken musste das Transportgut bei einer Sust umgeladen und an eine andere Genossenschaft übergeben werden. Susten dienten der Unterbringung der Waren in der Nacht: https://de.wikipedia.org/wiki/Sust

Das Damenstift besass damals viele Alpen im Weisstannental, die sie bis zur Klosteraufhebung 1811 zur Sömmerung des eigenen Viehs benutzten. Als Verwalter der Stiftsalpen amtete ein Alpvogt. Die alte Post war das einzige Steingebäude im Tal; sie verfügte über einen stattlichen kühlen Keller, in dem sich die Alpprodukte ideal lagern liessen: http://wmisargans.ch/html_css/2012/benjamint/nebenseiten/geschichte2.html

Nach den Nonnen kamen die Wirte; die Alte Post wurde zur «Wirthschaft zum Alpenthal»; Flösser feierten hier gern, nachdem sie das Holz von Weisstannen bis zum Walensee gebracht hatten. Später zogen eine Bäckerei, ein Kolonialwarenladen und schliesslich die Post ein. Immer aber war das Haus ein wichtiger Treffpunkt im Dorf gewesen – und das ist sie wieder geworden.

Allein schon die Renovation sorgte für Leben im Dorf: viele Freiwillige aus der halben Schweiz legten Hand an, Lehrlinge und Senioren, Kiwanis und Kirchgemeinden. Nun ist der Gewölbekeller entstaubt und mit einem Steinfussboden verschönt, sind die Räume liebevoll eingerichtet, erzählen moderneste Multimedien von Auswanderung und Hexen, von Postkutschen und der Rückkehr des Steinbocks und vielem mehr: http://www.post-ab.ch/museum/das-museum/index.html

Eine Ausstellung informiert über das UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona, zu dem auch das Glarnerland gehört: http://www.unesco-sardona.ch/ Einmal im Monat lädt das Museum zum Kafichrinzli (sic), und wer sich mit einem erquickenden Trunk laben möchte wie dereinst die Flösser, kann den Keller mieten. Und: Gruppen aller Art sind – genauso wie Familien und Einzelgäste – gern gesehen und hochwillkommen. (2015)

http://www.post-ab.ch/

Museum Alte Post

CH-7326 Weisstannen

 

   Startseite