Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

5 von 53 gut & drauf:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel Amar Latif in Grossbritannien: Der blinde Reiseführer lehrt das Sehen...

weiterlesen

 

Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Christian Bobst in Zürich: Der preisgekrönte Fotograf geht auch an heikle Themen nah heran...

weiterlesen

Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Theo Gerber, Arzt und Arvenpflanzer in St.Gallen: sorgte für die Anpflanzung von mehr als einer halben Million Bäumen im Hinterrheintal...

weiterlesen

 

Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Disco100: hat es als Familienbetrieb zum grössten Plattenladen Barcelonas gebracht...

weiterlesen

 

            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Irmela Mensah-Schramm in Berlin: Bekämpft mit Schaber und Lösungsmitteln Hassparolen an Geländern und Gebäuden...

weiterlesen
 
 
 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen, die sich mit Kreativität und Hingabe um Menschen auf der Flucht kümmern…

weiterlesen

Irmela Mensah-Schramm, Berlin:

Mit Schaber gegen Hassparolen

 

 Putz Hass weg: Irmela Mensah-Schramm, Berlin Putz Hass weg: Irmela Mensah-Schramm, BerlinMan hätte selber auf die Idee kommen können. Zu tun gäbe es genug, herrje. Und sogar immer mehr. Man braucht nur Schaber, Lappen, Lösungsmittel und etwas Farbe. Aber halt auch ganz schön viel Zivilcourage. Die zeigt Irmela Mensah-Schramm (1945), eine in Berlin lebende Stuttgarterin, Heilpädagogin von Beruf, Menschenrechtsaktivistin aus Passion. Ihre Mission: Sie entfernt rassistischen Schmutz aus der Öffentlichkeit. Putzt Hakenkreuze weg, kratzt Hasskleber ab, übersprayt dumpfe Parolen gegen Ausländer, Juden, Muslime. Mit ihrem bescheidenen Werkzeug stemmt sie sich gegen die grauenhafte braune Flut, die über Städte und Dörfer schwappt.

Jeden Morgen gehe sie los wie zur Arbeit, sagte sie dem deutschen Nachrichtenmagazin SPIEGEL, das sei ihre staatsbürgerliche Pflicht. Seit 30 Jahren ist sie unterwegs, säubert in halb Deutschland Bahnhöfe und Strassenlaternen, Fassaden und Verkehrstafeln von rechtem oder linkem Dreck. 100‘000 Parolen und 75‘000 Kleber hat sie entsorgt, was viel über ihren Fleiss, aber (leider) auch über den Geisteszustand der Gesellschaft aussagt.  

In 30 Jahren 75'000 Kleber abgekratztIn 30 Jahren 75'000 Kleber abgekratztDie Initialzündung war ein Kleber „Freiheit für Rudolf Hess“ (Hitler-Stellvertreter), den sie 1986 an einer Bushaltestelle sah.  Die ordnungsgemässe Strassenreinigung hätte Remedur schaffen können, tat sie aber nicht. So packte Irmela Mensah-Schramm eines Tages selber an. Bevor sie jeweils zur Tat schreitet, fotografiert sie die unappetitlichen Äusserungen. Die Fotos füllen Dutzende Aktenordner: https://de.wikipedia.org/wiki/Irmela_Mensah-Schramm

Ganze Ausstellungen sind mit deren Inhalt gestaltet worden. Sie selber erteilt in Schulen Workshops: „Gegen Hass hilft kein Gegen-Hass“, sagt sie.  Nur Aufklärung.

Natürlich wird sie bei ihrer Arbeit angeätzt und angegriffen, musste einmal sogar mit einer Morddrohung zu Rande kommen. Aber sie erfährt auch Ermunterung und Bewunderung. 1996 erhielt sie die Bundesverdienstmedaille, 2015 den Göttinger Friedenspreis, um nur zwei ihrer Auszeichnungen zu nennen. Der Liedermacher Gerhard Schöne besingt die „Die couragierte Frau“ in dem eigens für sie komponierten Lied.

 

Verbesserung wurde verurteiltVerbesserung wurde verurteiltTrotz der vielen Jahre auf der Strasse hat sie sich keine Hornhaut zugelegt. Besonders perfide Schmierereien treffen sie immer noch. Und vor kurzem kochte Empörung hoch. Im Mai 2016 redigierte sie in einem Tunnel in Berlin die Graffiti „Merkel muss weg“ zu einem sinnvolleren „Merke! Hass weg“.  Dafür musste sie sich vor Gericht wegen Sachbeschädigung verantworten. Sie wurde verwarnt. Geärgert hat sie dabei die Behauptung der jungen Staatsanwältin, Irmela Mensah-Schramms Tat hätte keine Vorbildwirkung:  http://www.berliner-zeitung.de/berlin/irmela-mensah-schramm--70-jaehrige-will-trotz-verurteilung-weiter-gegen-nazis-sprayen-24856742

Das sieht sie anders, und darum will sie das Urteil weiterziehen. Und auch für ihre Aufgabe will sie weiterziehen durch Stadt und Land. „Der Drang, das wegzumachen, ist zu gross. Gar keine Frage.“

(Januar 2017)

  Startseite