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5 von 65 gut & drauf:


Gesellschaft

Richtig dabei

Zum Beispiel Amar Latif in Grossbritannien: lehrt als blinder Reiseführer Sehenden das Sehen...

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Kultur 

Kreativ gestaltet

Zum Beispiel Andreas Benrath in Buggingen: stempelte "Die Entdeckung der Langsamkeit" von Hand auf 1463 Tonplatten ...

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Umwelt

Dauerhaft gut

Zum Beispiel Carlos Magdalena aus Gijón, Spanien: erregt als Pflanzenzauberer im englischen Kew Gardens Aufsehen ...

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Wirtschaft

Sinnvoll profitiert

Zum Beispiel Peter Mabeo in Gaborone: machte als Selfmademann in Botswana mit seinen Möbeln Weltkarriere...

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            Alter

Voller Leben

Zum Beispiel Ingeborg Rapoport in Berlin: Die Ärztin promovierte mit 102 Jahren...

 
 
 Flüchtlinge

Flucht. Ankunft

 Zum Beispiel Tausende von Freiwilligen in aller Welt: helfen mit Kreativität und Hingabe Menschen auf der Flucht anzukommen...

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Invol: Über die Vorlehre hinein in den Arbeitsmarkt

 

Wer Flüchtlingen begegnet, ihnen zuhört und sie ein Stück auf ihrer Reise ins Ungewisse begleitet, der lernt: nichts wünschen sie sich sehnlicher, als arbeiten zu können. Auch wenn es nur die Säuberung von Waldwegen oder das Mähen von Böschungen ist, was man Asylsuchenden zugesteht: Ein regelmässiger Job schafft eine Tagesstruktur, bringt Gruppenzugehörigkeit und auch noch ein wenig Taschengeld. Vor einer längerfristigen Arbeitsstelle aber stehen viele Hürden: In den ersten drei Monaten dürfen Asylsuchende gar nicht arbeiten, danach nur, wenn es die Wirtschaftslage erlaubt. Das bedeutet, dass jeder Arbeitgeber ein entsprechendes Gesuch stellen und nachweisen muss, dass nur der Asylsuchende und niemand sonst das verlangte Anforderungsprofil bringen kann. Neben diesen administrativen Auflagen sind mangelnde Sprachkenntnisse oder fehlende berufliche Qualifikationen die gravierenderen Hindernisse, die es zu überwinden gilt.

Um diesbezüglich etwas vorwärts zu machen, hat das Staatssekretariat für Migration (SEM) 2018 ein Pilotprojekt lanciert, das jungen Flüchtlingen eine Brücke in die Berufswelt baut. Invol heisst das Programm, das rund tausend Personen bis zum 25. Altersjahr eine einjährige Vorlehre ermöglicht mit dem Ziel, anschliessend in eine reguläre Ausbildung wechseln zu können. Vorlehren sind in den Branchen Gastronomie, Detailhandel, Gebäudereinigung, Logistik oder Landwirtschaft vorgesehen. Das SEM stellt Finanzen für die notwendige Vorbereitung und Begleitung zur Verfügung, aber aktiv werden müssen die privaten Unternehmen.

Und das tun sie auch. Im Kanton Zug zum Beispiel hat das Bauunternehmen Gebrüder Hodel AG in Baar, ein Familienbetrieb mit 300 Mitarbeitenden, acht Plätze für Vorlehren geschaffen. In Zürich bietet Coop im Einkaufzentrum Sihlcity solche Plätze an. Im Kanton Solothurn sind 38 Frauen und Männer dabei, zum Beispiel die künftige Restaurationsfachfrau Selam Eyasu, die im Hotel und Restaurant La Couronne eingestiegen ist.

Drei Tage pro Woche stehen die jungen Menschen im Lehrbetrieb in der Küche, im Lager oder im Alterszentrum, an zwei Tagen besuchen sie eine Berufsfachschule. Der schulische Alltag setze sich aus dem Erwerb berufskundlicher und allgemeinbildender Kompetenzen zusammen, erklärt Joy Kramer, Projektleiterin beim Departement Bildung, Kultur und Sport im Kanton Aargau: „Dazu gehören beispielsweise die Fachsprache sowie Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen. Es geht aber auch ganz allgemein um Werte der Schweizer Kultur. Im Betrieb sammeln die Teilnehmenden praktische Erfahrungen im angestrebten Berufsfeld und lernen so die Schweizer Arbeitswelt kennen." https://www.ag.ch/de/weiteres/asyl_und_fluechtlingswesen/aktuell_9/aktuell_detail/aktuell_details_93897.jsp

Erscheinen, Auftreten, Begeisterungsfähigkeit, sowie Umgangsformen und  Kritikfähigkeit werden thematisiert. Oft gilt es, falsche Vorstellungen eines Berufsalltags zu korrigieren. Oder überhaupt einen Beruf zu erklären: Was genau macht eigentlich ein Logistiker? Einer, der uns das jetzt erklären könnte,  ist Agi Al, ein Invol-er bei der Firma Planzer AG in Zürich – siehe Film unten. Der junge Mann hat die Vorlehre bereits hinter sich, absolviert eine Lehre und strebt die Berufsmatura an.

Positiv am Invol-Projekt ist auch, dass es keine Einbahnstrasse ist: Nicht nur die Flüchtlinge können etwas lernen, sondern ebenso die Mitarbeitenden auf Schweizer Seite. Da gibt es ebenfalls Unsicherheit, auch Vorurteile und Skepsis. Können Menschen aus Afrika dem hiesigen Arbeitsstress standhalten? Werden Männer aus dem Irak eine Frau als Vorgesetzte akzeptieren? Und wie steht es mit der Pünktlichkeit? Sind nicht alle Südländer notorisch unpünktlich? Die tägliche Zusammenarbeit bietet  ein Trainingsfeld für das Zusammenleben, das weit über die Arbeitsstelle hinausgehen muss. Denn, wie der Psychologe Ahmad Mansour in seinem Buch „Klartext zur Integration“ schreibt: „Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die uns alle angeht und betrifft.“ Die beim Invol-Projekt engagierten Unternehmen leisten schon mal ihren Teil. (2019)  

 

  Startseite 

 

 

https://youtu.be/TwsV1n-g458
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